Das ostafrikanische Ruanda ist von der Fläche und der Einwohnerzahl etwa mit dem Bundesland Hessen vergleichbar.
Auf der Berliner Kongo-Konferenz (1884-88) wird das damals noch völlig unerforschte Gebiet der heutigen Staaten Ruanda und Burundi unter deutsche Kolonialverwaltung gestellt. Erste Expeditionen von Oscar Baumann (1892) und Graf von Götz (1894) sprechen von drei ethnischen Volksgruppen: Den Twa, ein Pygmäenstamm, der mit einem Bevölkerungsanteil von noch unter einem Prozent der Gesellschaft keine Rolle spielt; den Hutu, der sich durch Ackerbau ernährenden Bevölkerungsmehrheit von 85 % und den Tutsi (damals: "Watussi"), die sich durch Viehzucht ernährende "herrschende Rasse" mit einem Bevölkerungsanteil von knapp 15%.
Die strikte Unterscheidung in Ethnien dürfte aber eher den damaligen Denkschemata als der Realität geschuldet sein. Tatsächlich konnte ein durch Ackerbau zu Wohlstand gekommener Hutu zum Tutsi aufsteigen, aber auch ein verarmter Viehzüchter zum Hutu absteigen. Bei den Tutsi und Hutu handelte es sich also vorwiegend um soziale und nur bedingt um ethnische Gruppen.
Nach Übernahme der Kolonialherrschaft durch das Deutsche Reich (tatsächlich effektiv ausgebübt bestenfalls von 1907 bis 1916) wurde die Rolle der Tutsi als die der "natürlichen Herrscher" massiv gestärkt, denen nunmehr die gesamte Landesverwaltung unterstellt wurde.
Dieses System der indirekten Verwaltung wurde von Belgien übernommen, das ab 1916 zunächst im Auftrag des Völkerbundes und dann im Auftrag der UNO Mandatsträger in Ruanda war.
Ein ab 1952 umgesetztes Gesundheitsprogramm der Uno ("Eingeborenenfonds"), führte ab Mitte der 1950er Jahre zu einer starken Bevölkerungszunahme und damit zu sozialen Konflikten, die vorwiegend zu Lasten der ärmeren Hutu gingen.
Zu ersten gewaltsamen Konflikten zwischen den Gruppen kam es im Jahre 1959, nachdem zunächst die Rolle der Hutu sowohl durch die Kirche als auch durch die belgischen Machthaber gestärkt wurde und in der Folgezeit sowohl der Tutsi-Mwami ("König") als auch der Führer der Hutu unter nie vollständig geklärten Umständen zu Tode kamen. Die Hutus verübten Greueltaten unter den Tutsis, die mit einem Rachfeldzug zurückschlugen.
Im Anschluss bemühte sich Belgien überhastet um eine Entlassung Ruandas in die Unabhägigkiet, die offiziell am 1. Juli 1962 erfolgte. Gleichzeitig ging Ruanda von der (Tutsi-geführten) Monarchie zur (durch die Hutu-Merhheit bestimmten) Republik über, was eine massive Fluchtbewegung unter den Tutsi in die Nachbarländer (vorwiegend nach Uganda) auslöste. Bis 1973 flackerten immer wieder bürgerkriegsähnliche Zustände auf, bis schließlich durch einen Militärputsch der gemäßigte Hutu Juvénal Habyarimana die Macht übernahm.
Der neue Machthaber beendete einerseits weitgehend die blutigen Konflikte, führte aber andererseits ein System der Rassentrennung ein, das den Tutsi nur wenig Rechte einräumte.
Ab Anfang der 1990er Jahre kam es immer wieder zu Angriffen von Exil-Tutsis von Uganda aus und in deren Folge zu wechselseitigen Gemetzeln. Habyarimana, der diverse politische Reformen versprach, wurde dabei zunächst von Frankreich militärisch unterstützt.
Der Gewalt erreichte in Ruanda ihren bisherigen Höhepunkt, als am 6. April 1994 Habyarimana ermordet wurde. In den folgenden Tagen verübte dessen Leibgarde einen Massenmord unter den Tutsis, der etwa eine halbe Million Opfer forderte. Ab dem 8. April unternahmen Exil-Tutsis eine neuerlichen Angriff, der aber nur schleppend vorankam.
Die von Frankreich ab dem 22. Juni 1994 geführte UNO-Initiative "Opération Turquoise" führte zwar zur Einrichtung von verschiedenen Schutzzonen für Flüchtlinge, konnte aber das Morden nicht stoppen.
Erst am 4. Juli 1994 erreichten die Einheiten der Exil-Tutsis die Hauptstadt Kigali. Zu diesem Zeitpunkt waren nahezu alle vormals dort lebenden Tutsi ermordet, nahezu alle Hutu aus Angst vor Rache geflohen.
Seit 1994 herrscht eine Tutsi-geführte Zentralregierung unter Einbeziehung mehrerer Hutu-Minister. Ab etwa 2003 begann langsam eine Demokratisierung des Landes.