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Shooting Dogs

England, 2007
Kriegsdrama, 115 Minuten

Originaltitel
Shooting Dogs

Kino-Start
17.05.2007

Regie
Michael Caton-Jones

Darsteller
John Hurt (Pater Thomas), Hugh Dancy (Joe Connor), Dominique Horwitz (Capitaine Charles Delon), Louis Mahoney (Sibomana), Nicola Walker (Rachel), Steve Toussaint (Roland), David Gyasi (François), Susan Nalwoga (Edda), Victor Power (Julius), Jack Pierce (Mark), Musa Kasonka Jr. (Boniface), Kizito Ssentamu Kayiira (Pierre), Claire-Hope Ashitey (Marie)
Shooting Dogs - Kinoplakat
Am Abend des 6. April 1994 wurde die im Landeanflug auf Kigali, der Hauptstadt von Ruanda, befindliche Präsidentenmaschine des langjährigen Militär-Machthabers und gemäßigten Hutu-Führers Juvénal Habyarimana von Unbekannten abgeschossen. Am folgenden Morgen brach eine bis daher kaum vorstellbare Gewaltwelle in Kagli aus, in deren Verlauf etwa eine halbe Million Tutsis von der Bevölkerungsmehrheit der Hutu ermordet wurden. In "Shooting Dogs" erzählt Regisseur Michael Caton-Jones die Geschichte dieser dramatischen Stunden aus Sicht eines der wenigen Europäer, die an diesem Tag in Kigali waren.

Kigali am Abend des 6. April 1994: In der Hauptstadt von Ruanda wird der Präsident des Landes, Juvénal Habyarimana, ermordet. Er gehörte zur Gruppe der Hutus, die in Ruanda die Bevölkerungsmehrheit stellt, und war 1973 durch einen Militärputsch an die Macht gekommen.

Habyarimanas Mörder sind radikale Hutus aus den Reihen seiner engsten Umgebung, die mit dem auf Verständigung mit der Gruppe der Tutsi ausgerichteten politischen Kurs des Präsidenten nicht einverstanden sind. Doch nach außen werden Tutsis für das Attentat verantwortlich gemacht.

Zu den wenigen Europäern, die in diesen Tagen in Kigali sind, zählen Pater Michael Thomas (John Hurt) und der junge Lehrer Joe Connor (Hugh Dancy). Gemeinsam leiten eine kleine Missionsschule, die Ecole Technique Officielle.

Noch in den Nachtstunden bricht über Kigali eine von langer Hand vorbereitete Welle unvorstellbarer Gewalt aus, der mehr als eine halbe Million Tutsi zum Opfer fallen. Mitten drin in dem Schlachten und Morden steht die kleine Missonsschule, in die sich auch eine Handvoll Blauhelm-Soldaten zurückgezogen haben, die dem Massaker tatenlos zusehen müssen.

Als sich die UNO-Soldaten schließlich nach einigen Tagen wieder in die Stadt trauen, ist das einzige, was sie noch verrichten können, "Shooting Dogs" - also streunende Hunde zu erschießen, die sich über die Körper der Dahingemetzelten hermachen...



Film-Inhalt  


Aufruhr in Kigali
Aufruhr in Kigali


  Hintergrund


Tutsi auf der Flucht
Tutsi auf der Flucht

Das ostafrikanische Ruanda ist von der Fläche und der Einwohnerzahl etwa mit dem Bundesland Hessen vergleichbar.

Auf der Berliner Kongo-Konferenz (1884-88) wird das damals noch völlig unerforschte Gebiet der heutigen Staaten Ruanda und Burundi unter deutsche Kolonialverwaltung gestellt. Erste Expeditionen von Oscar Baumann (1892) und Graf von Götz (1894) sprechen von drei ethnischen Volksgruppen: Den Twa, ein Pygmäenstamm, der mit einem Bevölkerungsanteil von noch unter einem Prozent der Gesellschaft keine Rolle spielt; den Hutu, der sich durch Ackerbau ernährenden Bevölkerungsmehrheit von 85 % und den Tutsi (damals: "Watussi"), die sich durch Viehzucht ernährende "herrschende Rasse" mit einem Bevölkerungsanteil von knapp 15%.

Die strikte Unterscheidung in Ethnien dürfte aber eher den damaligen Denkschemata als der Realität geschuldet sein. Tatsächlich konnte ein durch Ackerbau zu Wohlstand gekommener Hutu zum Tutsi aufsteigen, aber auch ein verarmter Viehzüchter zum Hutu absteigen. Bei den Tutsi und Hutu handelte es sich also vorwiegend um soziale und nur bedingt um ethnische Gruppen.

Nach Übernahme der Kolonialherrschaft durch das Deutsche Reich (tatsächlich effektiv ausgebübt bestenfalls von 1907 bis 1916) wurde die Rolle der Tutsi als die der "natürlichen Herrscher" massiv gestärkt, denen nunmehr die gesamte Landesverwaltung unterstellt wurde.

Dieses System der indirekten Verwaltung wurde von Belgien übernommen, das ab 1916 zunächst im Auftrag des Völkerbundes und dann im Auftrag der UNO Mandatsträger in Ruanda war.

Ein ab 1952 umgesetztes Gesundheitsprogramm der Uno ("Eingeborenenfonds"), führte ab Mitte der 1950er Jahre zu einer starken Bevölkerungszunahme und damit zu sozialen Konflikten, die vorwiegend zu Lasten der ärmeren Hutu gingen.

Zu ersten gewaltsamen Konflikten zwischen den Gruppen kam es im Jahre 1959, nachdem zunächst die Rolle der Hutu sowohl durch die Kirche als auch durch die belgischen Machthaber gestärkt wurde und in der Folgezeit sowohl der Tutsi-Mwami ("König") als auch der Führer der Hutu unter nie vollständig geklärten Umständen zu Tode kamen. Die Hutus verübten Greueltaten unter den Tutsis, die mit einem Rachfeldzug zurückschlugen.

Im Anschluss bemühte sich Belgien überhastet um eine Entlassung Ruandas in die Unabhägigkiet, die offiziell am 1. Juli 1962 erfolgte. Gleichzeitig ging Ruanda von der (Tutsi-geführten) Monarchie zur (durch die Hutu-Merhheit bestimmten) Republik über, was eine massive Fluchtbewegung unter den Tutsi in die Nachbarländer (vorwiegend nach Uganda) auslöste. Bis 1973 flackerten immer wieder bürgerkriegsähnliche Zustände auf, bis schließlich durch einen Militärputsch der gemäßigte Hutu Juvénal Habyarimana die Macht übernahm.

Der neue Machthaber beendete einerseits weitgehend die blutigen Konflikte, führte aber andererseits ein System der Rassentrennung ein, das den Tutsi nur wenig Rechte einräumte.

Ab Anfang der 1990er Jahre kam es immer wieder zu Angriffen von Exil-Tutsis von Uganda aus und in deren Folge zu wechselseitigen Gemetzeln. Habyarimana, der diverse politische Reformen versprach, wurde dabei zunächst von Frankreich militärisch unterstützt.

Der Gewalt erreichte in Ruanda ihren bisherigen Höhepunkt, als am 6. April 1994 Habyarimana ermordet wurde. In den folgenden Tagen verübte dessen Leibgarde einen Massenmord unter den Tutsis, der etwa eine halbe Million Opfer forderte. Ab dem 8. April unternahmen Exil-Tutsis eine neuerlichen Angriff, der aber nur schleppend vorankam.

Die von Frankreich ab dem 22. Juni 1994 geführte UNO-Initiative "Opération Turquoise" führte zwar zur Einrichtung von verschiedenen Schutzzonen für Flüchtlinge, konnte aber das Morden nicht stoppen.

Erst am 4. Juli 1994 erreichten die Einheiten der Exil-Tutsis die Hauptstadt Kigali. Zu diesem Zeitpunkt waren nahezu alle vormals dort lebenden Tutsi ermordet, nahezu alle Hutu aus Angst vor Rache geflohen.

Seit 1994 herrscht eine Tutsi-geführte Zentralregierung unter Einbeziehung mehrerer Hutu-Minister. Ab etwa 2003 begann langsam eine Demokratisierung des Landes.



► Cast, Crew► Filmplakat► Foto-Galerie

Zeitgleich mit dem Film "Shooting Dogs" in der Regie von Michael Caton-Jones liefen am 17.05.2007 in Deutschland im Kino auch die folgenden Spielfilme an:

Stomp the Yard
Musical-Drama, USA, 2007

Herr Bello
Familien-Komödie, Deutschland, 2007

Ein Lied für Argyris
Dokumentation, Schweiz, 2006

Die History Boys - Fürs Leben lernen
Tragikomödie, England, 2006

Der Große Ausverkauf
Dokumentation, Deutschland, 2007

Das Perfekte Verbrechen
Thriller, USA, 2007

Adam & Steve
Gay-Komödie, USA, 2005

2 Tage Paris
Liebeskomödie, Frankreich, 2007

Ebenfalls im Kino 




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