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The Dixie Chicks: Shut Up and Sing

USA, 2006
Dokumentation, 88 Minuten, FSK: 6

Originaltitel
Shut Up and Sing

Kino-Start
09.08.2007

Regie
Barbara Kopple, Cecilia Peck

The Dixie Chicks: Shut Up and Sing - Kinoplakat
Haltet den Mund und singt! Das ist das Motto der Musikindustrie, die von ihren Künstlern eine Enthaltung der Meinungsäußerung erwartet. "Shut Up & Sing" ist auch der Titel der Musik-Doku von Barbara Kopple und Cecilia Peck über die Dixie Chicks, die diese Direktive missachtet und damit ihrer Karriere einen schmerzlichen Knick beschert hatten.

"Wir wollen diesen Krieg nicht, diese Gewalt, und wir sind beschämt, dass der Präsident der Vereinigten Staaten aus Texas stammt." Diese Worte, bei einem Konzert im Londoner Shepherds Bush Empire von Natalie Maines, Leadsängerin der Dixie Chicks am Vorabend des US-Angriffs gegen den Irak auf der Bühne gesprochen, sollte für die Countrygirlband, die auf über dreißig Millionen verkaufte Albenzurückblicken kann, einen dramatischen Einschnitt in ihrer Karriere bewirken.

Vorangegangen war eine riesige Demonstration von mehreren hunderttausend Menschen angesichts der Entscheidung des US-Präsidenten George W. Bush, zusammen mit seinem Verbündeten, dem britischen Premierminister Tony Blair, entgegen die UN-Resolution in einer "Koalition der Willigen" den irakischen Diktator Saddam Hussein mir militärischer Gewalt zu entmachten und die behaupteten Massenvernichtungswaffen aufzuspüren.

Hatten die Dixie Chicks noch Anfang des Jahres 2003 beim Super Bowl die US-Hymne singen dürfen und sich damit auf den Olymp nationaler Gravität emporgeschwungen, löste die öffentlich geäußerte Meinung zum neuerlichen Golfkrieg zwei Monate später für eine gnadenlose Hetzjagd von republikanischen, nationalkonservativen und rechtsradikalen Kreisen. Eine treibende Kraft war die Gruppierug "Free Republic“, die über bemerkenswerten Einfluss bei den Radiosendern verfügt, zudem gab es unter der Zielgruppe der eher konservativ bis reaktionär eingestellten Hörer von Countrymusik eine ablehnende Haltung zu dem pazifistischen Statement der Dixie Chicks.

In der Folge boykottieren fast dreihundert Radiostationen fortan die Lieder des Countrytrios, ihre CDs werden aus den Läden verbannt oder gar verbrannt oder anderweitig vernichtet. Ihr Sponsor, der Teekonzern "Lipton" erwog sein Engagement für die Gruppe einzustellen. Doch die Dixie Chicks wehrten sich gegen diesen Feldzug, entschuldigten sich für ihre Wortwahl, aber nicht für die Kritik an Bush. Zudem nutzen sie die Chance, ihren Musikgeschmack nicht mehr am Mainstream orientieren zu müssen, und richten sich stilistisch neu aus.

Die Kamera hat die Dixie Chicks drei Jahre lang begleitet und zeigt sie bei ihrer Arbeit und im Privatleben. Der Zuschauer sieht die Musikerinnen bei Verhandlungen mit ihrem Manager, dem Plattenlabel und Sponsoren, zeigt sie zusammen mit ihren Familien und natürlich auch im Studio und auf der Bühne. So ist der Film auch ein Dokument, wie sich Künstler für freie Meinungsäußerung engagieren und dabei auch den Kampf mit den Medien und der Öffentlichkeit aufnehmen.



Film-Inhalt  


Natalie Maines hat den Stein ins Rollen gebracht
Natalie Maines hat den Stein ins Rollen gebracht


  Hintergrund


Die Dixie Chicks vor dem Poster ihres Sponsors
Die Dixie Chicks vor dem Poster ihres Sponsors

Die New Yorker Filmemacherin Barbara Kopple, die bereits zwei Oscars für ihre Dokus "Harlan County USA" (1976) und "American Dream" (1990) verzeichnen kann, wollte mit "Shut Up and Sing" die Geschichte dreier Musikerinnen erzählen, die sich trotz erbitterten Widerstands nicht zum Schweigen bringen ließen.

Zugleich sollte ihre Situation im Kontext der aktuellen politischen Lage verdeutlicht und somit ein Plädoyer für die freie Meinungsäußerung geschaffen werden. "Indem diese Frauen trotz der Morddrohungen und Boykottaktionen für ihre Überzeugungen einstanden," erläutert sie, "bewiesen sie einen zutiefst amerikanischen Sinn für Mut und Integrität." Überdies erklärt sie sich in ihrem Portrait mit dem Widerstand gegen den Krieg solidarisch.

Dabei wollte Kopple ursprünglich nur eine "normale" Reportage drehen und wurde zunächst von dem Trio abgewiesen, da sie bereits von einem Kamerateam auf ihrer Tournee "Top Of the World" begleitet wurden. Dann kam allerdings die fatale Äußerung von Natalie Maines beim ersten Auftritt dieser Tour, die den gewaltigen Proteststurm entfaltete. Barbara Kopple verhandelte, unterstützt von ihrer Filmpartnerin Cecilia Peck, mit Simon Renshaw, dem Manager der Dixie Chicks, und erhielt schließlich doch noch den Zuschlag für diesen Film.



Bei "Shut Up and Sing" geht es nicht nur um eine musikalische Reportage oder einen Bericht über eine politische Auseinandersetzung, sondern auch um ein persönliches Portrait dreier bodenständiger und zugleich weltoffener Künstlerinnen. Verwurzelt in ihrer texanischen Heimat mit ihren Familien, und zugleich wehrhaft gegenüber den Medien und der Musikindustrie.

Kopple bewundert den Mut der drei: "Die ganze Geschichte hat sie nur noch stärker gemacht. So wurde unser Film plötzlich zu einem Zeugnis ihrer Verwandlung: Wir sehen, wie die drei zwischen 2003 und 2006 zu Frauen heranreifen, die genau wissen, was sie wollen und wie sie es erreichen können – und die sich von niemandem mehr einschüchtern lassen."

Während der drei Jahre, die sie die Dixie Chicks begleitet hatte, bekam sie auch einen intimen Einblick in das Privatleben der Musikerinnen und baute eine persönliche Beziehung zu ihnen auf. "Ich habe noch nie Frauen gesehen, die emotional so eng miteinander verbunden sind wie die Dixie Chicks," beschreibt sie ihre Eindrücke. "Und sie haben einfach einen phänomenalen Sinn für Humor. Vor allem können sie über sich selbst lachen. Sie sind einfach so menschlich und so authentisch! Und genau das hat mich an diesem Film so gereizt."



Barbara Kopple über die Dixie Chicks  


Ein Patriot empfiehlt die Auswanderung
Ein Patriot empfiehlt die Auswanderung

  Die Band


Die Dixie Chicks bei ihrer Tournee
Die Dixie Chicks bei ihrer Tournee

Die Dixie Chicks - Frei übersetzt etwa "Die Südstaaten-Luder" - wurden 1989 zunächst als weibliches Country-Quartett gegründet, von den Schwestern Emily und Martie Erwin sowie Laura Lynch und Robin Lynn Macey. Schon nach kurzer Zeit hatten die Girls aus Texas mit ihrer zum Bluegrass tendierenden Countrymusik US-weiten Erfolg.

Von ihrem erstem Album "Thank Heavens for Dale Evans", ein Tribut an die inzwischen verstorbene, legendäre Country-Sängerin, wurden gleich mehrere Millionen Exemplare verkauft. Nach dem Ausstieg von Laura Lynch und Robin Lynn Macey stieß Natalie Maines als Leadsängerin zu den beiden Schwestern. Die erste CD in der neuen Formation, "Wide Open Spaces", ging rund zwölf Millionen Mal über den Tresen.

Alle drei leben weiterhin in Texas und haben mittlerweile Kinder. Nach dem Einbruch durch die ungeschickt formulierte Kritik an George W. Bush orientierten sich die Dixie Chicks musikalisch neu und entwickelten sich mehr in Richtung Pop und Rock. Die Zäsur verarbeiteten sie in ihrem 2005 erschienenen Album "Taking The Long Way", das ihnen gleich fünf Grammy bescherte. Einige ihrer CD haben gar den raren Diamant-Status erreicht.



► Cast, Crew► Trailer► Filmplakat► Foto-Galerie

Zeitgleich mit dem Film "The Dixie Chicks: Shut Up and Sing" in der Regie von Barbara Kopple, Cecilia Peck liefen am 09.08.2007 in Deutschland im Kino auch die folgenden Spielfilme an:

Reine Geschmacksache
Komödie, Deutschland, 2007

Mimzy - Meine Freundin aus der Zukunft
Fantasyabenteuer, USA, 2007

Ich glaub, ich lieb meine Frau
Komödie, USA, 2007

Half Moon
Drama, Iran, Irak, Frankreich, Österreich, 2006

Evan Allmächtig
Fantasykomödie, USA, 2007

Angel - Ein Leben wie im Traum
Liebesdrama, England, Belgien, Frankreich, 2007

10 Kanus, 150 Speere und 3 Frauen
Abenteuer-Komödie, Australien, 2006

Ebenfalls im Kino 




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