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Slumming

Österreich, Schweiz, 2006
Tragikomödie, 96 Minuten, FSK: 16

Originaltitel
Slumming

Kino-Start
19.04.2007

Regie
Michael Glawogger

Darsteller
Paulus Manker (Kallmann), August Diehl (Sebastian), Michael Ostrowski (Alex), Pia Hierzegger (Pia), Maria Bill (Herta), Martina Zinner (Marianne), Brigitte Kren (Sonja), Loretta Pflaum (Hippiemädchen), Martina Poel (Krista), Andreas Kiendl (Andreas), Petra Bernhardt (Rothaariges Mädchen), Kathrin Resetarits (Elegante Frau), Caro Kuchwalek (Vera), Nina Petz (Johanna), Nina Sieberer (Frau mit Zopf), Yue-Zong Tsai (Koreaner), Dragana Mirkovic (Sängerin), Alfred Schauer (Mann mit Puppe)
Slumming - Kinoplakat
Der Grazer Michael Glawogger hat in seinen Spielfilmen, aber auch in seinen Dokumentationen oft ein Auge für den "kleinen Mann" bewiesen. Ganz besonders auch in der schwarzen Komödie "Slumming", wo ein Verwahrloster das Opfer eines üblen Streiches zweier Nichtsnutze wird. Auf der 56. Berlinale feierte der Film 2006 seine Premiere.

Der Mittzwanziger Sebastian (August Diehl) kommt aus wohlhabendem Hause und nutzt das schamlos aus. Er studiert nicht und arbeitet auch nicht, sondern lebt mehr oder weniger ziellos in den Tag hinein. Ihm macht es Spaß, Menschen zu manipulieren. Gerne surft er im Internet auf der Suche nach weiblichen Opfern.

Mit erfundenen Geschichten versucht er sie zum Date rumzukriegen, und wenn ihm das gelingt, macht er dabei Fotos von den Frauen und stellt sie ohne ihr Wissen ins Internet. Über eine solche Bekanntschaft lernt er deren Freundin kennen. Pia (Pia Hierzegger) ist Volksschullehrerin und bessert am Wochenende ihr Gehalt als Garderobiere in der Discothek auf.

Sebastians Kumpel Alex hat zwar schon länger einen Studienplatz, doch ernsthafte Anstrengungen, einen Abschluss zu erzielen, unternimmt auch er nicht. Zusammen ziehen sie abends durch die Wiener Lokale der eher einfachen Art, beobachten das Treiben, machen Scherze über die Leute und versuchen gelegentlich, den einen oder anderen reinzulegen, was sie verächtlich als "Slumming" bezeichnen.

Diesmal hat der verhinderte Dichter Kallmann (Paulus Manker) das Pech, an die beiden Hobbyzyniker zu geraten. Sie gabeln den verwahrlosten Alkoholiker betrunken auf der Straße auf, packen ihn kurzerhand in den Kofferaum und verfrachten ihn nach Tschechien, wo sie ihn ohne Papiere aussetzen. Nachdem Pia davon erfährt, die Sebastian soeben ins Bett gekriegt hatte, ist sie schockiert und beschließt, dem Mann zu helfen...



Film-Inhalt  


Noch fühlt er sich wohl: Kallmann (Paulus Manker) in seinem Element
Noch fühlt er sich wohl: Kallmann (Paulus Manker) in seinem Element


  Glawogger über Kallmann


Sebastian (August Diehl) mit seiner neuen Flamme Pia (Pia Hierzegger)
Sebastian (August Diehl) mit seiner neuen Flamme Pia (Pia Hierzegger)

Einige Dinge müssen zusammenkommen, bevor man ernsthaft beginnen kann, über ein Projekt nachzudenken. Sie müssen nicht passen, aber doch irgendwie zusammengehören. In diesem Fall war es "Kallmann, der Ballmann", der Vorbild von Kallmann, dem Hobbypoeten wurde. Kallmann war während der Fußball-WM 98 durch die Lokale Wiens gezogen und hatte dort versucht, Fußbälle zu verkaufen. Doch die Dinge liefen nicht so, wie er sich das erhofft hatte, und so blieb er auf der Hälfte der Bälle sitzen in seiner 20-Quadratmeter-Wohnung ohne Strom, Gas oder Telephon, was ihm alles abgedreht worden war. Stattdessen klebten auf Tischen und Schränken unzählige Kerzen. Wir drehten ein paar Szenen mit ihm in "Frankreich, wir kommen!", für die wir am Ende aber keine Verwendung fanden. Doch Kallmann blieb in mir.

Einer von einigen Angetrunkenen, die ich vor rund fünfzehn Jahren in einem Laden getroffen hatte, erzählte mir eine Geschichte darüber, wie er einst einen Obdachlosen in den Kofferraum seinen Autos getan hat und über die Grenze fuhr, nur um ihn dort auszusetzen. Interessanter als die Story war der Kerl selbst, die Art, wie er seine Story erzählte; ich wusste nie, ob seine Geschichte wahr oder kompletter Unsinn war, doch der Typ amüsierte sich prächtig - er konnte sehen, dass ich nie wusste, ob ich ihm glauben sollte oder nicht.

Zuerst fand ich den Mann interessanter als die Geschichte, doch als ich begann, das Drehbuch zu "Slumming" zusammenzufügen, passte diese Geschichte einfach hinein - wie würde es sein, sich selbst in einer anderen Stadt zu finden, einem anderen Körper oder einem anderen Geist, obwohl man noch derselbe sein würde? Ich weiß nicht, ob diese Geschichte wahr ist oder nicht, doch manchmal denkst Du über eine Geschichte so lange nach, dass Du anfängst zu glauben, sie sei wirklich passiert.



Ich hatte größere Schwierigkeiten beim Schreiben eines Charakters, als ich nicht wusste, wer ihn spielen würde: Ich mag es, bloß meine Augen zu schließen und mir jemanden vorzustellen, der Dinge macht oder sagt. Im Fall von "Slumming" wusste ich von Anfang an, dass Paulus Manker "Kallmann" spielen würde, Pia Hierzegger "Pia" und Michael Ostrowski "Alex": Während des Schreibens hörte ich sie reden, sah sie einen Raum betreten, eine Autotür schließen und so weiter.

Doch ich hatte keine Idee, wer Sebastian spielen würde, was ein Problem war, weil er sich immer einfach hölzern anfühlte in den ersten Entwürfen des Skripts. Das einzige, was ich sicher wusste, war dass er Deutscher ist: Daher hatte er in meiner Vorstellung immer etwas bestimmtes, entschlossenes, sogar etwas verstohlenes.

Um das Problem zu lösen, schaute ich mir eine Menge Filme an, und ziemlich bald kam ich dahinter, dass Sebastian einfach von August Diehl gespielt werden musste. So begann ich die Figur mit ihm in Gedanken zu schreiben, und, mein Freund, Du hast keine Idee, wie angeschissen ich gewesen wäre, wenn August nicht interessiert gewesen wäre.

Und dass er schließlich - wie die anderen - eine Menge von Szenen in einer Weise spielte, die ich mir nicht habe vorstellen können, das ist Teil des Spiels und des Verlaufs, so muss es sein, damit es gut wird. Und nebenbei, es gibt Dinge, die ich mir nie vorstellen kann, wie etwa die Schuhe, die die Charaktere tragen...



Glawogger über den Cast  


Kallmann ist kalt
Kallmann ist kalt
► Cast, Crew► Filmplakat► Foto-Galerie

  Ebenfalls im Kino


Zeitgleich mit dem Film "Slumming" in der Regie von Michael Glawogger liefen am 19.04.2007 in Deutschland im Kino auch die folgenden Spielfilme an:

The Reaping - Die Boten der Apokalypse
Horror-Thriller, USA, 2007

Sunshine
Sci-Fi-Thriller, England, 2007

Shooter
Actionthriller, USA, 2007

Full Metal Village
Dokumentation, Deutschland, 2006

Dunia
Drama, Ägypten, Libanon, Frankreich, 2005

Der Unbequeme - Der Dichter Günter Grass
Dokumentation, Deutschland, 2007

Der Liebeswunsch
Liebes-Drama, Deutschland, 2005

Born to be wild - Saumäßig unterwegs!
Abenteuer-Komödie, USA, 2007

Beijing Bubbles
Dokumentation, Deutschland, China, 2005



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