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Snow Cake

Kanada, England, 2006
Drama, 112 Minuten, FSK: 6

Originaltitel
Snow Cake

Kino-Start
02.11.2006

Regie
Marc Evans

Darsteller
Alan Rickman (Alex Hughes), Sigourney Weaver (Linda Freeman), Carrie-Anne Moss (Maggie), David Fox (Dirk Freeman), Jayne Eastwood (Ellen Freeman), Emily Hampshire (Vivienne Freeman), James Allodi (Clyde)
Snow Cake - Kinoplakat
Die Berlinale 2006 wurde mit einem Film eröffnet, der ein bereits bei einigen bemerkenswerten Filmen verwendetes Sujet behandelt. Sigourney Weaver spielt eine Autistin, die den Unfalltod ihrer Tochter verkraften muss. Unterstützt wird sie dabei von einer hochkarätigen Besetzung mit Alan Rickman und Carrie-Anne Moss. Bei der 6. Filmkunstmesse Leipzig erhielt das Werk den Publikumspreis.

Alex Hughes (Alan Rickman), vor kurzem aus dem Gefängnis in England entlassen, ist mit dem Mietwagen in Kanada unterwegs. Im winterlichen Ontario nimmt wird er auf dem Weg nach Winnipeg an einer Raststätte von der 19-jährigen Vivienne (Emily Hampshire) angesprochen, die als Tramperin zu ihrer Mutter in Wawa am Oberen See unterwegs ist. Er nimmt die lebhafte Frau als Anhalterin in seinem Auto mit, was kurz darauf von einem Sattelschlepper gerammt wird.

Alex kann dem Wrack mit einem leichten Schock entsteigen, doch seine Beifahrerin hat den Unfall nicht überlebt. Voller Schuldgefühle begibt er sich nach Wawa, um Viviennes Mutter Linda Freeman (Sigourney Weaver) über den Tod ihrer Tochter zu trösten. Doch die ist seltsam ungerührt über die schreckliche Nachricht und besteht erst einmal darauf, Alex´ durchnässte Kleidung in die Waschmachine zu stecken. Alex weiß nicht, wie er sich ihr gegenüber verhalten soll und beschließt, bei Linda zu bleiben, bis deren Eltern Dirk (David Fox) und Ellen (Jayne Eastwood) eintreffen und hilft ihr bei den Beerdigungsvorbereitungen.

Alex richtet sich in der Küche ein und ist ansonsten bedacht, Lindas übersteigertem Ordnungssinn zu entsprechen. Aufklärung über deren seltsames Benehmen erhält er von der attraktiven Nachbarin Maggie (Carrie-Anne Moss): Sie ist Autistin. Allmählich verliebt sich Alex in Maggie, doch damit kommt er Clyde (James Allodi) in die Quere. Der Polizist hatte ihr bereits die Aufwartung gemacht und sinnt darauf, wie er den unerwarteten Nebenbuhler loswerden kann. Über den Polizeicomputer findet er heraus, dass dieser wegen Totschlags gesessen hat und berichtet Maggie brühwarm von seiner Erkenntnis.

Die Reaktion ist allerdings nicht so wie geplant, und Maggie trifft sich weiter mit Alex. Währenddessen sind ihre Eltern eingetroffen, und die Beerdigung steht kurz bevor. Für Alex ein Grund, seine Reise fortzusetzen. Er verabschiedet sich noch von Maggie und klärt sie auf: Sein Ziel ist die Mutter des gemeinsamen Sohnes Ryan. Der wollte ihn zum ersten Mal in seinem Leben besuchen und wurde auf der Fahrt Opfer eines tödlichen Autounfalls. Den Verursacher - ein alkoholisierter Autofahrer - hatte Alex in Rage aufgesucht und getötet...



Film-Inhalt  


Sucht eine Mitfahrgelegenheit: Vivienne (Emily Hampshire)
Sucht eine Mitfahrgelegenheit: Vivienne (Emily Hampshire)


  Hintergrund


Alex (Alan Rickman) ist verdutzt über Linda (Sigourney Weaver)
Alex (Alan Rickman) ist verdutzt über Linda (Sigourney Weaver)

Es ist April 2005. In den Gesichtern der Produktions- und Aufnahmeleiter zeigt sich immer häufiger Unruhe, wenn nicht gar Panik. Noch ist es kalt, aber ein Blick aufs Thermometer und durch die Fenster nach draußen macht unweigerlich klar, dass die Schneeschmelze eingesetzt hat, und es absehbar ist, dass die weiße Pracht, wegen der das Team von "Snow Cake" überhaupt nach Wawa gekommen ist, bald dahin sein wird. Bei einer Krisensitzung spricht schließlich Alan Rickman, der die Rolle des Alex spielt, den befreienden Satz aus: "Aber schaut doch, letztlich geht es bei diesem Film gar nicht um Schnee. Wir haben den Schnee zwar im Titel, aber ist es nicht einfach eine Charakterstudie zwischen Menschen an diesem Ort hier, und kann man nicht das große Tauwetter als eine Allegorie dessen sehen, was den Figuren im Film widerfährt? Vielleicht wird uns hier etwas gegeben, was wir im Augenblick nur noch nicht richtig zu schätzen wissen."

Immer wieder hatte das Schicksal in der Geschichte dieser Produktion eine nicht unerhebliche Rolle gespielt, und wiederholt wurden logistische Probleme oder gar ein drohender Zusammenbruch der rationalen Planung aufgefangen durch sich zufällig ergebende Alternativen, die sich schließlich wie glückliche Fügungen für das gesamte Vorhaben erwiesen.

Das Leben im Filmbetrieb ist keine Autobahn, auf der die guten Nachrichten einander ständig überholen. Die Finanzierung des Films erwies sich als eine Aneinanderreihung von Herausforderungen und die konstante Verschiebung des Drehbeginns bedeutete auch, dass die Schneesaison in Wawa zu Ende ging. Aber solche Bedenken versuchten die Produzenten mit aller Kraft von Team und Darstellern fernzuhalten. Fichman: "Mir scheint, unsere Rolle als Produzenten besteht darin, sicherzustellen, dass der Kern des Films, das heißt das Drehbuch und die Vision des Stoffes, nicht angegriffen werden von alltäglichen Störungen, finanziellem Chaos und unvorhersehbaren Turbulenzen, die im Zusammenhang eines solchen Vorhabens zwangsläufig entstehen. Ich denke, wir müssen garantieren, dass die Künstler möglichst optimale Möglichkeiten, geistigen und emotionalen Raum bekommen, um sich so frei wie möglich zu fühlen. Denn was sie zu tun haben, ist ohnehin schon schwierig genug."

Es war Niv Fichmans Idee, in Wawa zu drehen. "Was Fargo für Fargo war, wurde Wawa für uns", sagt der Produzent über die Symbiose von Ort und Geschichte. "Im Namen Wawa steckt schon ein großer Teil dessen, was seine Mythologie ausmacht. Für mich symbolisiert der Name auf eine Art die Isolation der Figur von Linda, aber auch die durchgeknallte Fremdheit, auf die Alex dort stößt. Es gibt in Wawa auch so eine Art Wappentier, eine kanadische Schneegans, die sich gerade in die Lüfte schwingt. Dieses Wappentier hat man auch als Skulptur verewigt, und die ist etwa 10 Meter hoch, was auch etwas komisch anmutet. Es lag auf der Hand, dass wir uns dieses Symbols bedienen wollten, um auch unsere Hauptfigur zu charakterisieren. In diesem Ort wird er – vielleicht – wieder fliegen lernen."

Sigourney Weaver erinnert sich: "Ich habe mir Lindas Welt immer wie eine Schneekugel voll mit sauberem Schnee vorgestellt. An Schneemangel wird in dieser Welt niemand leiden. Bei unserem Dreh war es dagegen so, dass uns wirklich nur klägliche Häufchen von Schnee zur Verfügung standen, und davon, dass der sauber war, konnte auch keine Rede sein! Wir haben uns geradezu obsessiv an die kleinen Überbleibsel von Schnee geklammert. Tatsächlich war es aber so, dass sich mit der Schneeschmelze, gegen die wir uns um jeden Preis stemmen wollten, genau das auch in der Natur ereignet hat worum es eigentlich in diesem Film geht: das Ende der ‚Eiszeit’ für die beiden Hauptfiguren." Und Rickman ergänzt: "Inzwischen bin ich sicher, dass dieser Film in gewisser Weise von unsichtbaren Kräften gelenkt worden ist."



"Snow Cake" ist das erste Drehbuch der Autorin Angela Pell. Die Tatsache, dass es einen Schauspieler wie Alan Rickman begeistern konnte – der eine "unmittelbare und instinktive Reaktion" auf die Story empfand -, spricht natürlich mehr für Pells Begabung, als für ein positives ‚Karma’ des Manuskripts, aber immerhin besitzt auch das Glück eine Energie eigener Art.

Nachdem sie sich über ein Jahrzehnt lang an Komödien versucht hatte, einfach weil dies das Genre war, das sie am meisten mochte, erkannte sie irgendwann: "Ich bin leider nicht (so) komisch." Danach entschied sie sich, über das zu schreiben, was sie kannte. Ausgehend von ihrer Auseinandersetzung mit dem Autismus ihres siebenjährigen Sohnes schrieb sie über eine autistische Frau (Linda Freeman, gespielt von Sigourney Weaver). Alex Hughes (Alan Rickman), ein britischer Großstädter und Kosmopolit, aber auch ein geistig Heimatloser, den der Tod zweier Menschen belastet, kommt nach Wawa, freundet sich mit Linda an und hat Sex mit deren Nachbarin (Maggie, gespielt von Carrie-Anne Moss). In der Begegnung mit Linda durchläuft er selbst einen therapeutischen Prozess, wobei man auf den ersten Blick glaubt, seine Gastgeberin habe Heilung viel dringender nötig.

Dazu Angela Pell: "Ich haben mich auf meine eigenen Erfahrungen verlassen, denn ich muss mich ja selbst mit den Mechanismen von Autismus auseinander setzen. Es ist eine solch wundervolle, surreal anmutende Erfahrung, Tag für Tag, und ich dachte mir, jemanden in eine solche Situation zu versetzen, würde eine großartige Story darüber abgeben, wie sich ein 'Fisch auf dem Trockenen' abstrampelt." Sie schrieb den ersten Entwurf des Drehbuchs innerhalb von zwei Tagen.

Andrew Eaton von der britischen Produktionsfirma Revolution Films (u.a. In This World, The Road to Guantanamo) erhielt Angela Pells Manuskript zu Weihnachten 2004. Da sie befreundet waren, entschied sich Eaton, das Skript für ein paar Wochen beiseite zu legen: "Wenn du von Freunden ein Drehbuch bekommst, macht dich der Gedanke, es zu lesen, nervös. Denn es könnte ja auch sein, dass es furchtbar ist, und dann muss man das eben auch sagen". Doch Pells Buch war alles andere als furchtbar: "Ich las es in einem Zug und dachte, es ist hervorragend. Direkt danach habe ich sie angerufen, um ihr ehrlich zu sagen‚ dass ich es großartig fand, und ich war auch sicher, dass das für uns ein gutes Projekt sein würde."

Die Besonderheit des Drehbuchs imprägnierte gewissermaßen den Produktionsalltag und beförderte im gesamten Team einen Sinn dafür, dass man an etwas Großem beteiligt ist – auch wenn der Film vom Volumen her nur ein kleiner Film sein würde. "Die Story war so außergewöhnlich, und das Drehbuch wie die Besetzung trugen dazu bei, dass man in der kanadischen Filmszene schon ehrfürchtig flüsterte, dass da etwas ganz Spezielles entstehe. Alle Beteiligten trugen jedenfalls dazu bei, dass dieser Nimbus Stück für Stück und Tag für Tag in die Realität umgesetzt wurde", erinnert sich Produzentin Jessica Daniel. "Marc Evans ist ein engagierter und leidenschaftlicher Filmemacher. Er besitzt eine enorme Sensibilität als Geschichtenerzähler wie als Bildermacher. Er hatte eine starke Beziehung zu dem Material und wusste um die Prioritäten."



Drehbuchdebüt: Angela Pell  


Im Wein ist die Wahrheit: Alex mit Maggie (Carrie-Anne Moss)
Im Wein ist die Wahrheit: Alex mit Maggie (Carrie-Anne Moss)

  Die Auswahl der Besetzung


Spendet ihrer Tochter Trost: Ellen Freeman (Jayne Eastwood)
Spendet ihrer Tochter Trost: Ellen Freeman (Jayne Eastwood)

Zum Thema Casting, so Eaton, hatte die Autorin ihre eindeutigen Vorstellungen: "Als Angela das Drehbuch schrieb, machte sie etwas, das mich normalerweise ärgert", sagt Eaton. "Auf das Deckblatt hatte sie ihre Wunschbesetzung geschrieben, und ihre Wunschbesetzung für Alex war Alan Rickman. Wir dachten, warum nicht? Wir haben ja nichts zu verlieren, und so schickten wir ihm das Buch einfach zu." Gina Carter fügt hinzu: "Marc und ich hatten uns ausgemalt, dass er uns vielleicht eine Stunde geben würde, um sich das ganze zu überlegen, und bestenfalls hätten wir dann zähe Verhandlungen mit Managern und Agenturen vor uns. In Wirklichkeit war es so: Wir trafen uns mit ihm und waren nach fünf Minuten fertig. Er sagte: 'Wenn dies ein Haus wäre, würde ich euch bitten, es vom Markt zu nehmen.' Es war klar, er war an Bord. Den Rest der Stunde plauderten wir!"

Rickman war es dann auch, der Sigourney Weaver von der Figur der Linda Freeman erzählte. Die beiden Schauspieler hatten zusammen für Galaxy Quest in Green River, Utah vor der Kamera gestanden und eine amüsante Zeit gemeinsam verbracht. Sigourney Weaver erinnert sich: "Alan erzählte mir die Story und ich sagte: 'Wow. Ich bin nur sicher, dass sie bei dieser Rolle niemals an mich denken'. Darauf er: 'Lass doch deinen Agenten dort anrufen.' So kam ich zu diesem Drehbuch und fand bestätigt, was mir Alan davon berichtet hatte. Diese Story hat solch eine wunderbare Balance, ist Komödie, Romanze und Drama, ohne je leichtfertig zu sein, wenn es darum geht, etwas Wahres über ein Thema zu erzählen, mit dem man sich nicht so gern und deshalb auch nicht so oft beschäftigt – den Autismus."

"Für mich ist Alan einer der größten Schauspieler weltweit", erklärt Weaver, "und es gibt nichts, was er nicht spielen könnte. Er kann eine überwältigende Vielfalt subtiler Abstufungen darstellen, und er hat einen wunderbar differenzierten Sinn für Ironie – ich fühle mich verwöhnt, wieder mit ihm arbeiten zu können. Was zwischen Alex und Linda entsteht, ist deshalb so vielschichtig, weil er durch die Welt gestreunt ist und sie dagegen immer in diesem kleinen Bungalow in dieser kleinen Stadt gewesen ist. Aber ich denke, auf eine ungewöhnliche Weise überraschen sie sich und geben einander so viel. Sie lernt viel von Alex, und er viel von ihr."

Das letzte fehlende Stück im Besetzungspuzzle war die Rolle von Maggie, und wieder ergaben sich dabei eine Reihe glücklicher Zufälle: Der Produzent hatte das Drehbuch zu Callum Keith Rennie geschickt, der in dem Film die Rolle des John Neil spielt. Dessen Agentin, Elizabeth Hodgson, war begeistert von dem Drehbuch und sah in der Figur von Maggie eine perfekte Rolle für Carrie-Anne Moss, die sie ebenfalls vertrat. Niv Fichman erinnert sich: "Das sind magische Momente, wenn man einen Anruf von Carrie-Anne Moss´ Agentin bekommt und sie dir sagt, ihre Klientin würde gern diese Rolle spielen. Du gehst einen Tag lang wie auf Wolken. Und dieses Glück hatten wir nicht einmal, nicht zweimal, sondern gleich dreimal. Drei herausragende Darsteller, extrem generös, wunderbare Menschen und große Künstler."



► Cast, Crew► Filmplakat► Foto-Galerie

Zeitgleich mit dem Film "Snow Cake" in der Regie von Marc Evans liefen am 02.11.2006 in Deutschland im Kino auch die folgenden Spielfilme an:

Wicker Man - Ritual des Bösen
Mystery-Thriller, Deutschland, USA, 2006

Warum halb vier?
Dokumentation, Deutschland, 2006

Schwarzes Gold
Dokumentation, England, 2006

Santa Clause 3 - Eine frostige Bescherung
Fantasy-Komödie, USA, 2006

Play your own Thing - Eine Geschichte des Jazz in Europa
Musik-Doku, Deutschland, Frankreich, 2006

Offset
Drama, Deutschland, Rumänien, 2006

Marie Antoinette
Drama, USA, 2006

Irgendwo dazwischen
Dokumentation, Deutschland, 2006

Herb, mein Herbst?
Dokumentation, Schweiz, 2004

China Blue
Dokumentation, USA, 2005

Can Baz
Musik-Dokumentation, Deutschland, Türkei, 2004

Borat
Komödie, USA, 2006

Ebenfalls im Kino 




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