Elisabeth Paetzold beschreibt das Wiedersehen mit ihrem Sohn Friedrich kurz nach Kriegsende in ihrer Autobiographie wie folgt:
"Gerade will ich unverrichteter Dinge wieder gehen, da sieht ein etwa 13-jähriger Junge die Photographie von Fritzchen, die ich in der Hand halte, und sagt: 'Ach, das ist ja Stas, der ist bei unserer früheren Leiterin, Fräulein Jadwiga Loskiewicz, sie wohnt Stalinstrasse 752.'
Natürlich frage ich gleich nach Rainer und erfahre noch, dass er 'bobus' ('Bübchen') genannt wurde und bereits im Juli abgeholt worden sei.
Zunächst kann ich noch nicht klar denken vor Erregung. Es kann ja sein, dass ich mein Fritzchen, mein geliebtes, kleines Kind, in wenigen Augenblicken in den Armen halte. Es kann sein – und doch, vorstellen kann ich es mir nicht.
Wie schlafwandlerisch suche ich die angegebene Adresse der Wohnung des Fräulein Loskiewicz in der Stalinstrasse 752.
Ich klopfe an die Etagentür – niemand hört, sie ist nur angelehnt, ich öffne, stehe im Flur und höre die Stimme meines Kindes! Was ich in dem Augenblick empfunden habe, kann ich nicht schildern. Mir ist, als zerspränge ein eiserner Ring, der sich um mein Herz gelegt hatte.
Mir wird geöffnet, da sitzt Fritzi am Tisch und knetet Kuchenteig. Ich stammle nur noch etwas, wie, das sei mein Kind, dann läuft mir ein Tränenstrom über das Gesicht. Ich schließe Fritzi in meine Arme und möchte ihn nie, nie wieder loslassen.
Die Dame, die in der Küche ist, sagt: 'Stas, Mutti przyjeczal' - 'Stas, Mutti ist gekommen'.
'Mutti' sagt er und schmiegt sich an mich. Das ist das einzige deutsche Wort, außer 'lachen' und 'Nagel' das ich von ihm gehört habe."