Wie verlief die Zusammenarbeit mit Ihrem Drehbuchautor Daniel Nocke?
Daniel Nocke hat einfach im Stillen das Drehbuch geschrieben. Ich habe aufgepasst, dass ihn keiner dabei stört. Es ist manchmal ganz gut, wenn nicht gleich zehn Leute am Buch mitschreiben. Nach der Lektüre der ersten Fassung hatte ich Daniel noch um eine weitere Szene gebeten. Sonst hat sich an dem Buch bis zur Verfilmung nichts mehr geändert.
Welches ist das Thema des Films, das Ihnen am meisten am Herzen liegt?
Im Film werden Entwicklungen innerhalb eines Fünf-Personen- Geflechtes erzählt, die zum Auseinanderbrechen einer Familie und zum Tod eines Mädchens führen. Der Fokus der Erzählung liegt aber nicht auf den spektakulären Aspekten dieser Ereignisse, sondern auf der genauen Beobachtung der Figuren. Wenn z.B. die Hauptfigur Miriam von dem 38-jährigen Bill erfährt, dieser sei in die 12-jährige Livia verliebt, dann geht es nicht darum, die Ungeheuerlichkeit dieser Aussage zu zelebrieren. Viel mehr interessiert sich der Film dafür, wie Bill nach einem Weg sucht, Miriam diese Mitteilung zu machen. Oder was verraten Miriams Reaktionen - jenseits der verständlichen Empörung - über ihr Selbstbild und ihr Verhältnis zu Bill, zu Livia und ihrer Familie? Im Kern geht es uns um die Auflösung von Bildern, die sich die handelnden Figuren von sich und den jeweils anderen gemacht haben.
Wann hatten Sie Ihre Schauspieler vor Augen? Wie haben Sie sie ausgewählt?
Den Gedanken Martina Gedeck die Hauptrolle anzubieten, hatte ich bereits, nachdem ich das Buch zum ersten mal gelesen hatte. Sie hat auch nicht lange gezögert die Rolle anzunehmen. Für die anderen Rollen haben wir uns viel Zeit genommen. Die beiden Männer um sie herum sollten bei aller Unterschiedlichkeit nicht gegeneinander abfallen. Beide sollten gut zu ihr passen. Unsere Favoriten aus den Castings haben wir direkt mit Martina spielen lassen. Für die beiden Kinderrollen haben wir die Schulhöfe durchkämmt. Aber auch einige Kinder eingeladen, die schon Schauspielerfahrung hatten. Es gibt, glaube ich, Gesichter, bei denen ist man als Betrachter eher geneigt etwas hineinzuinterpretieren als bei anderen. Bill sollte viel Projektionsfläche bieten. Ebenso Livia. Das Ziel an diesem Punkt war die Fantasie des Zuschauers zu beflügeln. André und Nils sind da festgelegtere Figuren. Figuren, die einem bestimmten Milieu zuzuordnen sind und die den Zuschauer an jemanden erinnern könnten, den er selbst gut kennt. Diese Unterscheidungen erschienen mir wichtig.
Wie kam die Zusammenarbeit mit der Produktion zu Stande?
Daniel Nocke und ich haben das fertige Buch an zwei Produktionen geschickt, von denen wir dachten, das könnte sie interessieren. Bei Katrin Schlösser war eine gewisse Begeisterung für den Stoff sofort zu erkennen. Auch wenn Sie sich über das Risiko, mit jemandem wie mir zu arbeiten noch informieren wollte.