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Still Life

China, 2006
Liebesdrama, 108 Minuten, FSK: 0

Originaltitel
Sanxia haoren

Kino-Start
04.10.2007

Regie
Zhang Ke Jia

Darsteller
Tao Zhao (Shen-hong Guo), San-ming Han (San-ming Han), Hong-wei Wang (Dong-ming Wang)
Still Life - Kinoplakat
Das gigantomanische Stausee-Projekt "Drei-Schluchten-Damm" am Jangtse kostete über eine Million Chinesen ihre Heimat. "Still Life" erzählt die Geschichte zweier Ehepaare, für die das Ereignis einen schmerzhafen Einschnitt in ihr Leben bedeutet. Es ist der erste Film des Regisseurs Jia Zhang-Ke, der im deutschen Kino gezeigt wird.

Ein Dampfer fährt über den Jangtse und legt in Fengjie, einem Stadtteil von Chongqing an. An Bord befindet sich der Bergarbeiter San-ming Han (Sanming Han) aus der entfernten Provinz Shanxi. Er ist hier auf der Suche nach seiner Ehefrau und seiner Tochter. Er hatte Missy Ma damals für dreitausend Yuan als Braut gekauft, doch sie ist bei ihm nicht glücklich gewesen und war kurz nach der Geburt des gemeinsamen Kindes wieder in ihre alte Heimat zurückgekehrt.

Jetzt, sechzehn Jahre später, will San-ming beide wiedersehen, und auf einem Zettel hat er sich die frühere Anschrift seiner Gemahlin notiert: Granitstraße 5. Doch dieser Teil der Stadt ist längst geflutet, und so begibt sich der Mann zur für die Umsiedlung zuständigen Behörde, ohne jedoch die gewünschte Auskunft zu erhalten.

Er mietet bei Herrn He ein Zimmer, der ihm eine hoffnungsvolle Auskunft gibt: Missys Bruder lebt auf einem Schiff, das im Hafen festgemacht hat. Doch der hat seine Schwester auch schon länger nicht gesehen und stellt nur vage in Aussicht, dass sie irgendwann wieder auftauchen könnte. San-ming lässt sich nicht entmutigen und richtet sich in der Stadt ein.

Han heuert bei einem Abrissunternehmen an, um die unbestimmte Wartezeit zu überbrücken und ist dank der Arbeiten, die der steigende Pegel des Stausees erfordert, gut beschäftigt. In seinem Zimmernachbarn Bing findet er einen Freund, doch den wird er bald schon wieder verlieren...

Die Krankenschwester Shen Hong Guo (Tao Zhao) ist ebenfalls von Shanxi hierher gekommen, um ihren Lebenspartner zu finden. Bin war vor einiger Zeit aus beruflichen Gründen nach Fengjie gegangen, doch dann hat sie den Kontakt zu ihm verloren. Das Firmengebäude, in dem ihr Mann gearbeitet hatte, ist verlassen und droht auch bald Opfer der Fluten zu werden. Durch Dong-ming, ein Kamerad aus Bins Armeezeit, trifft sie diesen tatsächlich wieder.

Die Eheleute sind mittlerweile völlig entfremdet, und Shen Hong hat den weiten Weg auch nicht gemacht, um sich wieder zu vereinigen. Sie will die Scheidung, weil sie längst eine neue Liebe gefunden hat. Auch San-Ming wird Missy bald wieder sehen, doch kann er sie nicht ohne weiteres mit nach Hause nehmen...



Film-Inhalt  


San-ming Han (Sanming Han) auf dem Weg nach Fengjie
San-ming Han (Sanming Han) auf dem Weg nach Fengjie


  Hintergrund


Shen-hong (Tao Zhao) sucht ihren Ehemann
Shen-hong (Tao Zhao) sucht ihren Ehemann

Sanxia haoren, so der chinesische Originaltitel, gibt einen Abriss über die Handlung des Films: "Sanxia" bedeutet "Drei Schluchten", und "haoren" heißt soviel wie "gute Menschen". "Ich beschreibe die Probleme der einfachen Leute in China", erläutert der Regisseur seine Intention. "Damit möchte ich ihnen eine Stimme geben."

Gedreht wurde an den Originalschauplätzen in Fengjie, und in "Still Life" ist als stetige Kulisse zu sehen, wie die Stadt buchstäblich untergeht und wie Gebäude abgerissen werden. Dadurch wird der einschneidende Wandel, den die Figuren im Film durchleben, untermalt.

Viele Einwohner bedrängten das Filmteam mit ihren Problemen, weil sie dachten, es handele sich um eine der trotz der Repressionen seitens der chinesischen Regierung stattfindende Fernsehreportage. Zwar konnte das Team den Leuten erklären, dass sie nur einen Spielfilm drehen, doch sie mussten auch mit anderen Schwierigkeiten kämpfen: In diesem Gebiet herrscht ein gewisses Malariarisiko, außerdem treiben in der stark vom Umbruch betroffenen Stadt regelrechte Gangsterbanden ihr Unwesen.



Der Jangtse ist nach Nil und Amazonas mit 6300 Kilometern der drittlängste Fluss der Erde und hat für China eine enorme ökonomische und ökologische Bedeutung. Er entspringt in rund fünftausend Metern Höhe am Gangjajubu-Gletschers im Himalaja auf tibetanischem Gebiet, wo er von den Einwohnern Drichu genannt wird, und mündet nördlich von Shanghai in das Ostchinesische Meer.

Bereits in den 1920er Jahren entstand die Idee, im Gebiet zwischen Chongqing und Yichang einen See zur Stromgewinnung aufzustauen. Mitte der 1940er Jahre wurden Experten aus den USA mit ersten Planungen beauftragt, und das katastrophale Hochwasser von 1954 bewog die chinesische Regierung, die Organisation voranzutreiben. Die zwischenzeitlich damit beschäftigten sowjetischen Ingenieure wurden allerdings wegen politischer Spannungen zurückgezogen, und die Kulturrevolution in den 1960er Jahren brachten das Projekt lange zum Erliegen.

Mit Chinas Premierminister Peng Li wurde die Errichtung des Drei-Schluchten-Damms 1992 im Nationalen Volkskongress beschlossen. 1994 wurde mit dem Bau begonnen, mit dem Schließen der Staumauer startete am 1. Juni 2003 die Aufstauphase, und kurz darauf ging die erste von 26 700-Megawatt-Turbinen in Betrieb, die von der Siemens AG geliefert werden.



Schau, stau, wen  


Missy Ma trifft ihren Mann wieder
Missy Ma trifft ihren Mann wieder

  Scherenschnitt


Bing unterhält sich mit San-ming
Bing unterhält sich mit San-ming

Wer die Kulturpolitik Chinas auch nur peripher verfolgt hat, dürfte sich wundern, dass ein Werk wie "Still Life" mit doch erkennbar kritischen Untertönen nicht von der Regierung verboten wurde. Ein solches Schicksal ist schließlich in der Vergangenheit vielen Filmen mit milderer Artikulierung widerfahren.

Nach der Erfahrung Zhang-Kes hängt eine solche Entscheidung in erheblichem Maße auch von dem Renommee ab, das ein Regisseur im Auslang genießt. In seinem Fall ist diesbezüglich einiges vorzuweisen, hat er doch weltweit zahlreiche Auszeichnungen auf bedeutenden Festivals erhalten, darunter zwei Preise bei den Berliner Filmfestspielen für sein hochgelobtes Kriminaldrama "Pickpocket" ("Xiao Wu", 1997).

Als die Zensurbehörde das fertige Werk zu Gesicht bekam, wurden lediglich drei Gesichtpunkte beanstandet, die aber von Jia ausgeräumt werden konnten. So warfen ihm die Beamten vor, dass Plakate von Lenin, Mao und Marx zu sehen sind. Die Frage Jias, ob kommunistische Vorbilder mittlerweile in China unstatthaft seien, ließ die Verantwortlichen letztendlich einlenken.



► Cast, Crew► Filmplakat► Foto-Galerie

Zeitgleich mit dem Film "Still Life" in der Regie von Zhang Ke Jia liefen am 04.10.2007 in Deutschland im Kino auch die folgenden Spielfilme an:

Superbad
Komödie, USA, 2007

Stellungswechsel
Komödie, Deutschland, 2007

Ratatouille - Rattenscharf serviert
Animation, USA, 2006

Prinzessin
Drama, Deutschland, 2006

Planet Terror
SciFi-Horror, USA, 2007

Monks - The Transatlantic Feedback
Musik-Dokumentation, Deutschland, USA, Spanien, 2006

Lady Chatterley
Liebesdrama, Frankreich, 2006

Immer nie am Meer
Psycho-Groteske, Österreich, 2007

Geliebte Jane
Romantik-Drama, Irland, 2007

Anderland
Drama, Norwegen, 2006

Ebenfalls im Kino 




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