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Der Unbekannte Soldat

Deutschland, 2006
Dokumentation, 100 Minuten, FSK: 12

Originaltitel
Der Unbekannte Soldat

Kino-Start
21.09.2006

Regie
Michael Verhoeven

Darsteller
Myriam Y. Arani (Fotohistorikerin, Universität der Künste Berlin), Yakov Basin (Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Weißrussland), Peter Black (leitender Historiker, US Holocaust Memorial Museum Washington), Klaus von Dohnanyi (ehemaliger Bürgermeister von Hamburg), Jörg Friedrich (Autor), Ralph Giordano (Schriftsteller und Publizist), Hannes Heer (Historiker)
Der Unbekannte Soldat - Kinoplakat
Zwischen 1995 und 2004 wurde in zahlreichen deutschen Städten die sogenannte "Wehrmachtsausstellung" gezeigt, die die Beteiligung von Wehrmachtsangehörigen an Kriegsverbrechen und nationalsozialistischen Progromen zeigt. Nun hat sich Michael Verhoeven ("Die weiße Rose", "Das schreckliche Mädchen", "Mutters Courage") des Themas angenommen.

Die "Wehrmachtsausstellung", die zwischen 1995 und 2004 als Wanderausstellung in Deustchland gezeigt wurde, löste umfangreiche Proteste aus. Michael Verhoeven nimmt die Ausstellung - und die Proteste - zum Anlass, eigene Nachforschungen anzustellen.

So reist er nach Polen, nach Weissrussland und die Urkaine. Er spricht mit den Nachfahren der Opfer und der Täter, interviewt Demonstranten, rekonstruiert Taten, lässt Politiker und Historiker zu Wort kommen.



Film-Inhalt  


Wehrmacht marschiert
Wehrmacht marschiert


  Film-Kritik


Soldat mit (damaliger) Landesfahne
Soldat mit (damaliger) Landesfahne

Die Vielzahl des Umfangs nationalsozialistischer Verbrechen einerseits und der Tatsache andererseits, dass quasi jeder männliche Deutsche, der bei Kriegsende 16 Jahre oder älter war, zwangsweise der Wehrmacht angehörte, ließ auch schon vor der Wehrmachtsausstellung keinen andere Annahme zu, als dass auch einzelne Wehrmachtsangehörige und -einheiten in Greueltaten verwickelt waren.

Die Meinung, jeder Soldat der Wehrmacht sei deswegen ein Massenmörder und Kriegsverbrecher, jeder habe Schuld auf sich geladen, ist ebenso absurd. Wer für sein Land im zweiten Weltkrieg kämpfte, egal auf welcher Seite und an welcher Front, wer starb, verwundet oder verstümmelt wurde oder auch nur Hab und Gut, Familienangehörige oder seine Heimat verlor, ist Opfer des Nationalsozialismus. Das schließt ein gleichzeitiges Tätersein natürlich nicht aus.

In so weit brachte weder die "Wehrmachtsausstellung" wesentliche neue Erkenntnisse, noch bringt sie der vorliegende Film. Akribisch verfolgt Verhoeven die Spuren der Wehrmacht in der Urkaine und Weissrussland, rekonstruiert Progrome und Kriegsverbrechen und befragt die Nachfahren der Opfer und der Täter.

Aber Greuel und Verbrechen beging nicht "die Wehrmacht", auch nicht "die SS". Gewehre und Gaskammern bedienten Menschen. Menschen, die im ganz untschiedlichen Umfang persönliche Schuld auf sich luden. Nicht selten Menschen, die vor 1939 als Familienväter friedlichen Berufen wie Bäcker oder Buchhalter nachgingen und dies ab 1945 auch wieder taten.

Was bewegte den einzelnen Täter, vom Bäcker zum Mörder, von Buchhalter zum Brandschatzer zu werden? Und welche Dynamik war es, die die Zahl der Täter in solch immense Höhen schnellen ließ? Auf diese Fragen findet auch Verhoeven keine Anworten, nicht selten, weil er - sich auf Einzeltaten und Tatabläufe oder die Farbe des Uniformzwirns konzentrierend - sie nur halbherzig oder gar nicht stellt.



Die sogenannte "Wehmachtsausstellung" wurde vom Hamburger Sozialforschungsinstitut unter der Leitung des Historikers Hannes Heer unter Mithilfe von Gerd Hankel erarbeitet und von März 1995 bis November 1999 in 33 Städten unter dem Titel "Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941–1944" gezeigt.

Dabei unterliefen den Verantwortlich so zahlreiche historische Fehler, dass ein historisch-wissenschaftlicher Wert ebensowenig gegeben war wie die Glaubwürdigkeit der gesamten Ausstellung an sich. So zeigte sich z.B., dass von den insgesamt 801 Fotos, die angeblich Greueltaten der Wehrmacht zeigten, mindestens 721 falsch zugeordnet waren und tatsächlich auf ihnen nicht ein einziger Wehrmachtsangehöriger zu sehen war. In vielen Fällen waren Wehrmachtseinheiten nicht einmal auch nur in grober Nähe der Ereignisse anwesend, geschweige denn an ihnen beiteiligt.

Die Ausstellung wurde zurückgezogen und zwei Jahre lang grundlegend überarbeitet, bis sie dann im Herbst 2001 wieder eröffnet wurde. Der neue Schwerpunkt lag nunmehr auf dem gebrochenen Völkerrecht und der späteren Weiterentwicklung des Völkerrechts, hatte sich mithin von dem ursprünglich Ausstellungsthema weit entfernt.

Insgesamt haben die Macher der Ausstellung, die sich bis heute von renommierten Historikern Stümperei vorwerfen lassen müssen, ihrem aufklärerischen Anliegen einen Bärendienst erwiesen, weil sie neo-nationalsozialistischen Krakeelern und unbelehrbaren Alt-Nazis, die sich schnell und geschickt unter den Chor der ernsthaften Kritiker mischten, Auftrieb und Plattform boten.



Hintergrund  


Demonstranten vor der Ausstellung
Demonstranten vor der Ausstellung

  Michael Verhoeven
über seinen Film:


Auseinandersetzungen vor der Ausstellung
Auseinandersetzungen vor der Ausstellung

"Ich bin in dieses Thema am 1. März 1997 durch eine Protestveranstaltung der NPD gegen die Ausstellung 'Verbrechen der Wehrmacht - Dimensionen des Vernichtungskriegs 1941- 1944' im Münchner Rathaus hineingezogen worden: Sie stiegen aus immer mehr Bussen, immer mehr Uniformierte mit Fahnen. Ich bin in diesen Naziaufmarsch geraten als Fragender und bin in sieben Jahren der Recherche immer der Fragende geblieben. Nicht selten sind meine Fragen mit Gegenfragen abgewehrt worden, etwa ob ich ein anderes als das deutsche Volk kenne, das seine eigenen Soldaten, die für ihr Vaterland gekämpft haben, in den Dreck ziehen würde. Ich suche nicht nach fertigen Antworten. Jedes Vaterland hat seine eigene Geschichte. Aber ich beharre auf unserer eigenen Geschichte. Die Wehrmacht ist nicht in einen großen vaterländischen Krieg gezogen, weil sie die deutsche Bevölkerung verteidigen musste. Der Einmarsch in Polen im September 1939 war ein Überfall mitten im Frieden.

Ich habe diesen Film gemacht, um noch einmal nachzufragen. War der deutsche Ostfeldzug von vornherein oder ab einem bestimmten Punkt, etwa ab dem Sommer 1941, ein Feldzug gegen die jüdische Bevölkerung? Und: War die Wehrmacht in diese Strategie von Beginn an einbezogen oder nicht? Offensichtlich haben sich die Nazistrategen den historischen Anti-Judaismus in der Region zunutze gemacht. Hat sich die Wehrmacht Schritt für Schritt in dieses Verbrechen verstricken lassen oder gab es ein grundsätzliches Einverständnis?

Ich frage nach den Verbrechen der Wehrmacht in Weißrussland und in der Ukraine in den Jahren 1941 und 1942. Wie war das? Nach dem Frankreichfeldzug rückt die deutsche Wehrmacht gegen Osten vor. In der Ukraine ziehen sich die sowjetischen Besatzungstruppen beim Einmarsch der deutschen Besatzungstruppen zurück. Vorher liquidiert der sowjetische Geheimdienst noch schnell die politischen Häftlinge. Leichen türmen sich in den Zellen und Gefängniskellern. Die Juden, ursprünglich die Mehrheit in den ukrainischen Städten und Dörfern, werden für den Mord an den Ukrainern verantwortlich gemacht. Unter der Bewachung und Obhut der Deutschen Wehrmacht werden die jüdischen Ukrainer von den nicht-jüdischen zusammengetrieben, müssen unter Stockschlägen die toten Ukrainer aufbahren und säubern. Warum sollte die Schuld an den sowjetischen Morden die Juden treffen? Diese Frage musste ich als eine der ersten stellen.

Nachdem die Juden unter Prügeln die Leichen gesäubert hatten, bringen die Nicht-Juden die Juden um. Die unbekannten Soldaten der deutschen Wehrmacht bewachen dieses Pogrom mit ihren Gewehren. Wir sind an die Schauplätze der Pogrome gegangen und sind mit Augenzeugen und Historikern zu den Gefängnissen, den grasüberwachsenen Gruben gegangen, in denen zahllose Juden erschossen wurden. Ich habe vor Ort Fragen gestellt. Fragen nach der tatsächlichen Beteiligung der Wehmacht, des einfachen deutschen Soldaten an diesen Morden.

Mein Film behandelt nicht wesentlich die so genannte Wehrmachtsausstellung, sondern deren Kernthema. In amerikanischen, deutschen, weißrussischen und ukrainischen Archiven haben wir neue, zum Teil unveröffentlichte Filmdokumente und Fotos entdeckt. Eine der zentralen Fragen meines Films ist: Wie war das mit den jüdischen Partisanen? Die vorgegebene Losung der Nazis, mit der die Führung der Wehrmacht den einfachen, unbekannten Soldaten dazu gebracht hat, auf wehrlose Menschen, Frauen, Kinder und Greise zu schießen, ganze Dörfer abzufackeln, wenn es sich um Juden gehandelt hat, war: "Der Jude ist der Partisan – der Partisan ist der Jude". Ich erwarte mir von meinem Film eine weiterführende, vertiefende Diskussion der Themen und Fragen, die durch die so genannte Wehrmachtsausstellung in unserer Gesellschaft aufgekommen sind."



► Cast, Crew► Trailer► Filmplakat► Foto-Galerie

Zeitgleich mit dem Film "Der Unbekannte Soldat" in der Regie von Michael Verhoeven liefen am 21.09.2006 in Deutschland im Kino auch die folgenden Spielfilme an:

Swinger Club
Drama, Deutschland, 2006

She´s the Man - Voll Mein Typ
Komödie, USA, 2006

Road to Guantanamo
Doku-Drama, England, Pakistan, Afghanistan, 2006

Oh wie schön ist Panama
Zeichentrick, Deutschland, 2006

In den Süden
Drama, Frankreich, Haiti, Kanada, 2005

Ich, Du und der Andere
Komödie, USA, 2006

Gambit
Dokumentation, Deutschland, Schweiz, 2005

Der Kick
Kriminalfilm, Deutschland, 2006

Crank
Action, USA, 2006

Candy
Liebesdrama, Australien, 2006

Brick
Drama, USA, 2005

Ebenfalls im Kino 




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