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Verstörung - und eine Art von Poesie. Die Filmlegende Bernhard Wicki

Deutschland, 2007
Dokumentation, 120 Minuten

Originaltitel
Verstörung - und eine Art von Poesie. Die Filmlegende Bernhard Wicki

Kino-Start
14.06.2007

Regie
Elisabeth Wicki-Endriss

Verstörung - und eine Art von Poesie. Die Filmlegende Bernhard Wicki - Kinoplakat
Einer der großen Filmemacher Deutschlands war Bernhard Wicki. Sieben Jahre nach seinem Tod hat Elisabeth Endriss ihre filmische Spurensuche abgeschlossen und präsentiert mit "Verstörung - und eine Art von Poesie. Die Filmlegende Bernhard Wicki" ein persönliches Portrait ihres Kollegen und Ehemannes.

Dieses Portrait beschäftigt sich mit dem Leben und Wirken von Bernhard Wicki. Sie zeigt den Filmemacher im Kontext der Zeitgeschichte, die auch immer eine Rolle in dessen Werken gespielt hatte. Die Filmschauspielerin Elisabeth Endriss, zweite Ehefrau des deutschen Ausnahmeregisseurs, hat ihre persönlichen Erinnerungen in ihrem ersten Werk als Regisseurin, Produzentin und Autorin verarbeitet.

Der Zuschauer wird in eine Reise durch die Filmgeschichte des Deutschlands der Nachkriegszeit geschickt, begleitet von seinen Kollegen Maximilian Schell, der als Erzähler durch die Dokumentation führt, Michael Mendl, der den Protagonisten zitiert, und Klaus Maria Brandauer, der frühe Gedichte von Bernhard Wicki vorträgt.

Endriss berichtet von den großen Erfolgen, aber auch bitteten Niederlagen, die Wicki in seiner Karriere und seinem Leben erlebte, in dem sie ihn 23 Jahre lang begleitet hat. Dabei ist bisher teilweise unveröffentlichtes Archivmaterial zu sehen, Ausschnitte aus seinen Filmen, Bilder von Dreharbeiten, Fernsehportraits über Bernhard Wicki und Tonaufnahmen werden vorgeführt.

Seine Frau erzählt von eigenen Erlebnissen aus der gemeinsamen Zeit, begibt sich an die Originalschauplätze und lässt ihren Mann durch den Film wieder aufleben. So erfährt man über seine Lebensstationen von der Jugend über seine Haftzeit im KZ Sachsenhausen, die sein späteres Leben mit geprägt hat, seinen ersten Filmerfolg "Die Brücke", sein letztes Werk "Das Spinnennetz".



Film-Inhalt  


Bernhard Wicki bei den Dreharbeiten zu
Bernhard Wicki bei den Dreharbeiten zu "Das Spinnennetz"


  Hintergrund


Klaus Maria Brandauer liest frühe Gedichte von Bernhard Wicki
Klaus Maria Brandauer liest frühe Gedichte von Bernhard Wicki

Elisabeth Endriss wurde im sudetendeutschen Eger - im heutigen Tschechien - am 2. Juli 1944 als Kind eines Schauspielers geboren. Kurz nach Kriegsende ziehen die Eltern mit Tochter und dem zwei Jahre älteren Sohn nach München. Bereits mit vier Jahren steht Elisabeth zum ersten Mal vor der Filmkamera: Als Engelchen in der Bavaria-Produktion "Die seltsame Geschichte des Brandner Kaspar".

Nach dem Gymnasium nach sie Schauspielunterricht bei Wolfgang Büttner, Gefion Helmke und Peter Paul. Die staatliche Abschlussprüfung machte Endriss an der Otto-Falckenberg-Schule. Danach begann sie als Darstellerin auf der Bühne in Luzern, das Theater Bonn folgte. 1972 ging sie in der Rolle der "Marie" in dem Stück "Woyzek" mit dem Goethe-Institut auf Welttournee.

Weitere Bühnenrollen brachte sie unter anderem mit Ingmar Bergman in Strindbergs "Fräulein Julie" zusammen, während sie in ersten Fernsehproduktionen mitspielte, so in der 1978 in der TV-Inszenierung "Das Geld liegt auf der Bank" an der Seite von Willy Millowitsch, in dem Mehrteiler "Die Buddenbrooks" nach Thomas Mann (1979) oder "Der Spot oder Fast eine Karriere" von Rainer Erler. Neben weiteren Auftritten in TV-Serien wie "Derrick", "Rosamunde Pilcher", "Tatort" und "SOKO" arbeitet sie lange Jahre für das Radioprogramm des Bayerischen Rundfunk.

Nach der Begegnung mit Bernhard Wicki 1977 verliebt sie sich unsterblich in ihn, arbeitet in mehreren Filmproduktionen mit ihm zusammen und gehört fast schon zur Familie; kurz nach dem Tod von Wickis erster Ehefrau Agnes Fink heiratet sie ihn im Jahr 1995. Nach dessen Tod 2000 setzt sich Endriss für sein Vermächtnis ein und ruft 2002 den "Bernhard Wicki Gedächtnis Fonds" ins Leben, der jährlich den "Bernhard-Wicki-Filmpreis" an herausragende Filmregisseure vergibt.



Als Sohn eines Schweizers und einer Österreicherin wird Bernhard Wicki am 28. Oktober 1919 im Niederösterreichischen St. Pölten geboren. Die Familie siedelt ins anhaltinische Köthen über, mit der Machtergreifung der Nazis wird Bernhard jedoch wieder nach Österreich zurückgeschickt, wo er mehrere Internate besucht.

Nach dem Abitur schreibt er sich in Breslau für Deutsch, Geschichte und Kunstgeschichte ein, nimmt dann aber sein Studium an der Staatlichen Schauspielschule Berlin unter Gustaf Gründgens auf. Aufgrund seiner Mitgliedschaft der KPD-nahen Bündischen Jugend wird er von der GeStaPo verhaftet und für mehrere Monate ins KZ Sachsenhausen verbracht.

Danach verlässt Wicki Deutschland und studiert am Max-Reinhardt-Seminar in Wien Schauspiel und Regie. Er beginnt seine Karriere als Schauspieler auf der Bühne und spielt an verschiedenen Theatern, so auch am Bayerischen Staatsschauspiel in München. Dort lernt er 1944 seine Kollegin Agnes Fink kennen, die er kurz darauf heiratet. Kurz vor Kriegsende siedelt das Paar nach Zürich um, kehrt aber 1950 wieder nach München zurück.

Auf dem Kanzlerfest in Bonn 1977 lernt er die Kollegin Elisabeth Endriss kennen und lieben. Nach dem Tod seiner Ehefrau Agnes Fink heiratet er 1995 Elisabeth Endriss, an deren Seite er seine letzten fünf Jahre verbringt. Am 3. Januar 2000 stirbt Bernhard Wicki an Herzversagen und wird auf dem Nymphenburger Friedhof in München beigesetzt.



Der Protagonist  


Maximilian Schell als Erzähler des Films
Maximilian Schell als Erzähler des Films

  Die Karriere


Bernhard Wicki und Elisabeth Endriss
Bernhard Wicki und Elisabeth Endriss

In München spielt Bernhard Wicki seine erste Filmrolle im Drama "Der Fallende Stern" (1950); mit dem Partisanenführer in Helmut Käutners "Die letzte Brücke" (1953) beginnt der unaufhaltsame Aufstieg des Filmstars Bernhard Wicki.

Bei Käutner lernt er auch das Regiehandwerk kennen als Regieassistent für dessen Film "Monpti" (1957), darüber hinaus beschäftigt er sich vermehrt mit der Photographie, wird auf Ausstellungen gezeigt und veröffenlicht Fotobände. Sein Debüt als Regisseur und Drehbuchautor des Kriegsdramas "Die Brücke" (1959) straft sämtliche zahlreichen Skeptiker Lügen und erntet weltweit Anerkennung bei Kritik und Publikum.

Das Werk wird, neben vielen anderen internationalen Honorierungen, für den Oscar nominiert und erhält den Golden Globe als bester ausländischer Film. Nach der Satire "Das Wunder des Malachias" (1961) dreht Bernhard Wicki auf Bitte des einflussreichen Produzenten Darryl F. Zanuck den deutschen Teil von "Der längste Tag" (1962).

Es folgen Arbeiten mit Ingrid Bergman, Antony Quinn, Yul Brynner und Marlon Brando. Eine Krebserkrankung wirft dann Wickis Filmkarriere zurück. Zwar verläuft eine Tumoroperation 1966 erfolgreich, folgende Filmprojekte haben jedoch weniger Erfolg, und seine einzige Arbeit als Produzent an "Die Eroberung der Zitadelle" (1977) endet mit rund einer Million Mark Schulden. Daher orientiert er sich wieder in Richtung Schauspiel.

1985 folgt wieder eine Regiearbeit: Für "Die Grünsteinvariante" erhält Wicki das Filmband in Gold und zwei Jahre darauf den Adolf-Grimme-Preis für "Sansibar oder der letzte Grund", seine erste berufliche Zusammenarbeit mit Elisabeth Endriss, die auch in seinem letzten Regiewerk "Das Spinnennetz" (1989) mitwirkt. Zwar hatte er noch Pläne für einen weiteren Film, doch das Projekt "Die Sirene" kann wegen häufiger auftretenden Krankheiten nicht mehr verwirklicht werden.



► Cast, Crew► Filmplakat► Foto-Galerie

Zeitgleich mit dem Film "Verstörung - und eine Art von Poesie. Die Filmlegende Bernhard Wicki" in der Regie von Elisabeth Wicki-Endriss liefen am 14.06.2007 in Deutschland im Kino auch die folgenden Spielfilme an:

Irina Palm
Drama, England, 2007

Hot Fuzz - Zwei abgewichste Profis
Actionkomödie, England, 2007

Hostel 2
Horror, USA, 2007

Ferien
Drama, Deutschland, 2007

Buongiorno, notte - Der Fall Aldo Moro
Drama, Italien, 2003

Ebenfalls im Kino 




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