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Vier Minuten

Deutschland, 2006
Drama, 112 Minuten, FSK: 12

Originaltitel
Vier Minuten

Kino-Start
01.02.2007

Regie
Chris Kraus

Darsteller
Monica Bleibtreu (Traude Krüger), Hannah Herzsprung (Jenny von Loeben), Sven Pippig (Mütze), Richy Müller (Kowalski), Jasmin Tabatabai (Ayse), Stefan Kurt (Direktor Meyerbeer), Vadim Glowna (Gerhard von Loeben), Nadja Uhl (Nadine Hoffmann), Peter Davor (Journalist), Edita Malovcic (Traude, jung), Kathrin Kestler (Hannah), Christian Koerner (SS-Obersturmbannführer), Amber Bongard (Clara Mütze), Dietrich Hollinderbäumer (Pater Vincens), Dieter Moor (TV-Moderator), Maria Hartmann (TV-Kandidatin), Isolde Fischer (Platzanweiserin), Irene Rindje (Organisatorin), Gabriele Schäfer (Aufseherin)
Vier Minuten - Kinoplakat
In "Vier Minuten" spielt Monica Bleibtreu eine 80-jährige Klavierlehrerin, die sich von einer jungen Frau an ihre Liebe aus Jugendtagen erinnert fühlt. Der Film konnte bereits zahlreiche Auszeichnungen erzielen, etwa auf den Hofer Filmtagen und dem bedeutendsten asiatischen Filmpreis beim Shanghai Film-Festival.

Traude Krüger (Monica Bleibtreu) arbeitet seit Jahrzehnten als Klavierlehrerin in einer Justizvollzugsanstalt für Frauen. Sie ist streng und legt höchsten Wert auf Umgangsformen. Zu den vier Schülerinnen gehört seit kurzem eine harte Nuss: Die junge Jenny von Loeben (Hannah Herzsprung), wegen Mordes verurteilt, ist auch innerhalb der Knastmauern rabiat. Wer ihr zu nahe kommt, bezieht Prügel. So auch der Wärter Mütze (Sven Pippig), der bei Traude versucht, mit der Zuordnung von Literaturzitaten zu ihren Verfassern Eindruck zu schinden.

Bei Jenny wird schnell ihr außergewöhnliches musikalisches Talent erkennbar, doch der gewalttätige Vorfall hat die Skepsis beim Gefängnispersonal verstärkt. Insbesondere Schließer Kowalski (Richy Müller) setzt sich gegen eine Sonderbehandlung der widerspenstigen Klavierschülerin ein. Direktor Meyerbeer (Stefan Kurt) lässt sich aber zunächst von Traude überzeugen, sie an einem Talentwettbewerb für junge Pianisten teilnehmen zu lassen.

Zwar ist ihr die direkte und vulgäre Art des Mädchens zuwider, doch weckt Jenny in ihr auch bittersüße Erinnerungen an die Zeit des Kriegsendes, als sich Traude (Edita Malovcic) in ein anderes Mädchen, Hannah (Kathrin Kestler) verliebt hatte. So beginnt zaghaft zwischen der prinzipienfesten Greisin und dem zerstörten Teenager eine engere Beziehung, die aber durch die Vergangenheit beider getrübt wird. Denn sowohl Traude wie auch Jenny haben ein schreckliches Geheimnis, das sie zunächst nicht wagen zu offenbaren.

Nachdem ihre Lehrerin es geschafft hat, Jenny ansatzweise Disziplin abzuringen, stört ein erneuter Vorfall den Fortschritt in Jennys Karriere: Ihre Mitgefangene Ayse, (Jasmin Tabatabai), die sie für den Tod ihrer Freundin mitverantwortlich macht, übt nachts einen Anschlag auf ihre Zellengenossin aus, die sich allerdings zur Wehr setzt. Als Folge verweigert Meyerbeer die Teilnahme an einem wichtigen Musikwettbewerb. Doch Traude erkennt, dass sie die Dinge selbst in die Hand nehmen muss. Zumal Gerhard von Loeben (Vadim Glowna) auftaucht, Jennys Vater, von dem sie behauptet, er habe sie missbraucht...



Film-Inhalt  


Ist sprachlos: Traude Krüger (Monica Bleibtreu)
Ist sprachlos: Traude Krüger (Monica Bleibtreu)


  Film-Kritik


Feindseeliger Blick: Jenny von Loeben (Hannah Herzsprung) und Mütze (Sven Pippig)
Feindseeliger Blick: Jenny von Loeben (Hannah Herzsprung) und Mütze (Sven Pippig)

"Vier Minuten" ist ein außergewöhnliches Drama, das einen weiten Themenkomplex auf subtile Weise behandelt. Im Mittelpunkt stehen zwei Frauen, die von der Erinnerung an ihre eigene Vergangenheit geprägt sind. Die Beziehung, die sich zwischen den beiden auf den ersten Blick so völlig unterschiedlichen Frauen entwickelt, nimmt den Betrachter mit intensiver Emotion ein.

Dabei verlässt sich das Drehbuch, die Inszenierung und auch die Kamera auf die beiden Hauptdarstellerinnen, die mit herausragenden Leistungen beeindrucken. Beide bestehen glänzend die langen Nahaufnahmen und begeistern mit höchst differenziertem und glaubwürdigem Spiel.

Die Story entwickelt, mit Hilfe von geschickt eingebauten Rückblenden, eine bewegende Dramaturgie und wird durch Bilder von poetischer Kraft und dem zentralen Element der klassischen Musik getragen. Bei aller Tragik der Geschichte sind die durchaus vorhandenen komischen Momente erleichternd und führen den Betrachter in ein Wechselbad der Gefühle, das schließlich in einer fulminanten Bearbeitung von Schumanns A-Moll-Konzert gipfelt.

Neben vielen anderen Auszeichnungen gab es vier Bayerische Filmpreise für die beiden Hauptdarstellerinnen, das Drehbuch und die Produzentinnen.



Der gebürtige Göttinger Chris Kraus hatte erst seine Brötchen als Journalist und Illustrator verdient, ehe er sich an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin einschrieb. Die ersten Meriten beim Film hat er sich als Drehbuchautor erworben und begann mit "Der Einstein des Sex", ein biographisches Drama über Magnus Hirschfeld, den Pionier der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit der Homosexualität, welches mit dem Golden Leoparden in Locarno ausgezeichnet wurde. Für sein Regiedebüt "Scherbentanz" erhielt Kraus den Regienachwuchspreis beim Bayrischen Filmpreis.

Die Inspiration zu seinem zweiten Regiewerk "Vier Minuten", für das er auch das Drehbuch schrieb erhielt er von seiner Klavierlehrerin. Einige Jahre zuvor hatte er in einer Tageszeitung ein Photo von ihr entdeckt und war fasziniert von dem Kontrast zwischen ihren jungen Händen und dem alten Gesicht. Als er sich die Geschichte um die Klavierlehrerin im Knast ausgedacht hatte, war zunächst Jeanne Moreau für die Rolle vorgesehen und wurde auch besetzt, brach dann aber wegen terminlicher Probleme weg.

Nachdem Kordes & Kordes Film in die Produktion eingestiegen war, kam Monica Bleibtreu ins Gespräch, und wie sich herausstellen sollte, ist sie die Idealbesetzung dieser Figur. Ihre Kontrahentin im Film hatte sich aus dem Casting von 1200 Mädchen herauskristallisiert. Obwohl Schauspieldebütantin Hannah Herzsprung wahrheitswidrig angegeben hatte, Klavier spielen zu können, überzeugte sie die Crew und nahm zur Vorbereitung ein halbes Jahr Klavier- und vier Monate Boxunterricht.



Hintergrund  


Kennt keine Gnade: Schließer Kowalski (Richy Müller)
Kennt keine Gnade: Schließer Kowalski (Richy Müller)

  Hammerklavier


Schatten der Vergangenheit: Gerhard von Loeben (Vadim Glowna)
Schatten der Vergangenheit: Gerhard von Loeben (Vadim Glowna)

Die Musik ist ein zentrales Element in "Vier Minuten". Ursprünglich vorgesehen, ausschließlich Mozart-Werke zu verwenden, da Kraus´ Klavierleherin eine besondere Vorliebe für diesen Komponisten hegte. Doch die tragische Tiefe vieler Momente im Film weichte diese Präferenz auf. So kommen neben Mozarts A-Dur-Sonate und einem Rondo aus dessen Feder die Waldsteinsonate von Beethoven, eine Fuge von Bach und Schubers Impromptus in a-Moll zu Gehör. "Die Impromptus in a-moll habe ich irgendwann nachts um ein Uhr gehört", bemerkt Kraus. "Ich habe sie dreißigmal hintereinander eingelegt. Ich wußte einfach sofort, das ist Traudes Thema. Nein, das ist Traudes Wesen."

Eine besondere Herausforderung stellt das Abschlusskonzert als Finale des Films dar. Im Drehbuch stand die Forderung, dass die zu diesem Anlass gespielte Musik Schumann übertreffen sollte. Monatelang wurden sämtliche bekannte Filmkomponisten Deutschlands kontaktiert, ohne ein zufriedenstellendes Ergebnis. "Drei Wochen vor Drehbeginn, wir waren alle vor einem Nervenzusammenbruch, kamen wir aufgrund eines Tips der BR-Redakteurin Bettina Ricklefs auf Annette Focks." erinnert sich der Regisseur. "Sie hat sich zwei Tage ins Studio eingeschlossen und das Ding rausgehauen."

Die Komponistin hatte 2005 den Deutschen Fernsehpreis 2005 in der Kategorie "Beste Musik" erhalten. Ihr Werk wurde praktisch unverändert übernommen. Interpretiert wird es von Kae Shirati, einer der besten Pianistinnen des Landes. Sie hat die gleiche körperliche Statur wie Herzsprung und konnte sie daher am Klavier doubeln. Nach wochenlanger Übung wurde eine Choreographie erarbeitet, bei der beide Frauen in identischen Kostümen vor 300 Statisten im Theater Oldenburg agierten.



► Cast, Crew► Trailer► Filmplakat► Foto-Galerie

Zeitgleich mit dem Film "Vier Minuten" in der Regie von Chris Kraus liefen am 01.02.2007 in Deutschland im Kino auch die folgenden Spielfilme an:

Saw III
Horror, USA, Kanada, 2006

Nach der Hochzeit
Drama, Dänemark, Schweden, 2006

KZ
Dokumentation, England, Österreich, 2006

Dreamgirls
Drama, USA, 2006

Die wilden Kerle 4 - DWK4 Der Angriff der Silberlichten
Familien-Komödie, Deutschland, 2007

Das wilde Leben
Biografie, Deutschland, 2007

Bamako
Drama, Mali, USA, Frankreich, 2006

Ebenfalls im Kino 




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