Die Idee, eine Kindheits- und Menschwerdungsgeschichte zu erzählen, die sich ganz realitätsnah in unserem normalen Alltag abspielt, geistert schon seit vielen Jahren in meinem Kopf herum.
Seit 1999 sind in enger Zusammenarbeit mit Lukas B. Suter, und später mit Peter Luisi, zahlreiche Drehbuchversionen entstanden. Und im Laufe dieser Zeit hat sich an dieser fiktiven Kindheitsgeschichte so ziemlich alles x-Mal radikal verändert, nur der Name des Kindes ist beharrlich geblieben: Vitus.
Im Verlauf der langen Entstehungs- und zähen Finanzierungsgeschichte wurde der Name Vitus für mich zu einer Metapher für "Überleben" und gleichzeitig ein Synonym für "Künstler", was zusammengenommen "Überlebenskünstler" ergibt.
Auch wenn der Film die utopisch anmutende Geschichte eines märchenhaft begabten Kindes erzählt, ist der Film für mich kein Märchen im unverbindlichen Sinne, sondern ein heiteres und realitätsnahes Zerr-Spiegelbild unserer Zeit. Oder wenn schon, dann ein hintergründiges, sehr verbindliches Märchen. Wer allerdings radikale Gesellschaftskritik sucht, wird wohl enttäuscht: Der Kommentar zur Zeit findet eher zwischen als auf den Zeilen, und wenn, dann ironisierend denn attackierend statt.
Spielfilme sind in hohem Maße immer auch Zeitgeistkinder, selbst wenn ihre Entstehungszeit
oft Jahre in Anspruch nehmen und ihre Macher den Anspruch erheben, dass ihre Produkte als autonome Gesamtkunstwerke wahrgenommen werden.