Roman- und Drehbuchautor Tommy Jaud über die Entstehung seines Films:
Es gab einen Grund, warum ich die Geschichten um Simon Peters vor knapp drei Jahren dem Fischer-Verlag angeboten habe und nicht etwa einer Fernsehproduktionsfirma: Ich wollte endlich mal was schreiben, was nicht sofort in irgendeiner Form gedreht wird.
Man ließ mich schreiben. Wie schön, dachte ich mir, dass man mich schreiben lässt und dann noch das, was ich will! Doch schon während des Schreibens hätte ich aufmerksam werden müssen auf den perfiden Plan meines papierfeindlichen Umfeldes. "Und? Wie läuft's mit deinem Roman", fragte da ein Regisseur namens Tobi Baumann per SMS. "Ganz gut", hab ich gesagt und gefragt "wieso?" – "Nur so", war die lapidare Antwort und ich schrieb beruhigt weiter.
Was ich zu diesem Zeitpunkt allerdings ganz genau wusste war, dass man aus diesem Buch nun wirklich keinen Film machen konnte. Ich war zufrieden.
Aber: Ein gewisser Christoph Müller, damals noch bei Goldkind Film, und sein Partner Sven Burgemeister waren da anderer Meinung, was die Verfilmung angeht. Er hätte sich bepisst vor Lachen im Urlaub über den "Vollidioten", und ich sollte mal darüber nachdenken, das Drehbuch zu schreiben.
Noch starr vor Schreck rief ich bei meinem Verlag an. Ich hatte doch nicht etwa die Filmrechte behalten durch einen dummen Fehler meines Anwaltes? Ich hatte!
Ich flog nach München, unterschrieb den Vertrag und bekam ein eigenes Büro für die erste Drehbuchfassung. Sensationell! Gedanklich bereitete ich schon mal die Oscar-Rede vor. Leider war das Büro nicht bei Goldkind Film selbst, sondern im alten Wasserwerk im Englischen Garten und hatte lediglich ein Bio-Klo und eine kleine Elektroheizung. Auch sonst war kein Mensch zu sehen oder zu hören.
Auch wenn in Köln gedreht wurde: ich war insgesamt nur drei Mal am Set. Einmal, um mit meinen Freunden besoffen Karaoke zu singen im Irish Pub. Das zweite Mal, um den neuen Freund von Simons Ex zu spielen, wobei ich den weltbewegenden Satz "Ich bin der Andere" sagen durfte, und das dritte Mal habe ich vergessen. Ist schon seltsam, wie man stört als Autor, wenn die eigene Geschichte verfilmt wird. Die meisten kennen einen eh nicht am Set, also steht man in jedem Falle doof daneben und schwankt irgendwo zwischen Stolz und Scham.