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Thomas Harlan - Wandersplitter

Deutschland, 2007
Dokumentation, 96 Minuten

Originaltitel
Thomas Harlan - Wandersplitter

Kino-Start
30.08.2007

Regie
Christoph Hübner

Thomas Harlan - Wandersplitter - Kinoplakat
Veit Harlan hatte mit seinem Film "Jud Süß" der Nazipropaganda ein Werkzeug geliefert, um ihre Greueltaten an den Juden gegenüber der Bevölkerung zu rechtfertigen. Der Filmemacher Christoph Hübner hat in seiner Dokumentation "Thomas Harlan - Wandersplitter" den Sohn besucht und lässt ihn über sein schwerwiegendes Erbe sprechen.

Er ist selbst Autor und Regisseur, und er ist der Sohn von Veit Harlan, dem höchst umstrittenen Regisseur, der in der Nazizeit seine größten Erfolge erzielte. Über seine Eltern traf Thomas Harlan auf höchste Funktionäre der NDSAP und trat der Marine-Hitlerjugend bei. Nach dem Krieg setzte er sich für die Aufklärung über die Naziverbrechen ein und wandte sich gegen ein weiteres Wirken seines Vaters im Film.

Seit 2001 lebt Thomas Harlan aufgrund einer Lungenerkrankung in einem Sanatorium bei Berchtesgaden. Dort hat ihn der Dokumentarfilmer Christoph Hübner besucht und befragt ihn zu dem schwerwiegenden Erbe seines Vaters und über die eigenen Konsequenzen, die er daraus in seinem Leben und Schaffen gezogen hat.

"Das ist der Obersalzberg," zeigt Harlan, während die Kamera aus dem Fenster seines Zimmers über die Berglandschaft schweift. "Hitler hätte mich hier sehen können". Damit knüpft er an die Vergangenheit an, die das Schicksal seines Vaters so sehr mit dem eigenen verflochten hat. Er hatte Kontakt zu den Nazioberen wie Hitler und Goebbels und stand nach Kriegsende vor der Entscheidung, wie er mit seiner Verstrickung fertigwerden sollte.

Obwohl er seinen Vater liebte, hat er doch jahrzehnte lang einen Kampf gegen dessen Werk, sein Erbe und mit seinem eigenen Namen gekämpft. Aus Protest ging er gar so weit, Kinos in Brand zu stecken, in denen Filme von Veit Harlan vorgeführt wurden. Thomas Harlan berichtet auch über seine verschiedenen Lebensstationen, über das Exil in Frankreich, die Zeit in der Sowjetunion und das Aufspüren von Naziverbrechern in Polens Archiven, das zu zahlreichen Anklagen führte.



Film-Inhalt  


Thomas Harlan berichtet über sein Leben
Thomas Harlan berichtet über sein Leben


  Hintergrund


Das Sanatorium bei Berchtesgaden
Das Sanatorium bei Berchtesgaden

"Jud Süß" ist ein deutscher Spielfilm aus dem Jahr 1940 nach einer Novelle von Wilhelm Hauff. Er erzählt über das Leben des Finanzbeamten Joseph Süß Oppenheimer, der im 18. Jahrhundert am Hof des Herzogs von Würteemberg beschäftigt ist, dem er dabei hilft, sich zu bereichern. Neben Ferdinand Marian in der Titelrolle spielten unter anderem Werner Krauss, Heinrich George und Veit Harlans Ehefrau Kristina Söderbaum mit.

Der Reichspropagandaminister Joseph Goebbels war sowohl bei den Personalien wie Regisseur und Besetzung als auch bei der Gestaltung des Drehbuchs involviert und wohnte der Uraufführung in Berlin nebst anderer Naziprominenz bei.

Nach dem Krieg wurde Regisseur Veit Harlan mehrfach aufgrund seines Films angeklagt, wurde aber schließlich des Vorwurfes der Beihilfe zu Verbrechen gegen die Menschlichkeit freigesprochen.



Ich mache natürlich aus meinem Vater nicht mehr als es ist. Es ist eben meiner, und nur das ist mir wichtig: Es ist ein heißgeliebter Mensch. Aber ich habe schon etwas gesehen, er verantwortet sich nicht. Er ist ja in meinen Armen gestorben, dafür bin ich ihm unglaublich dankbar, dass ich, der ihn verfolgt hat – dass er Platz dafür hatte, zu verstehen, warum.

Nehmen wir mal an, es gibt so etwas ähnliches wie das Schwerwiegende noch nicht verstehen, nur ahnen, dann ist eines ganz sicher: Der Tag, an dem er es erfahren hat, und wenn er es nach dem Krieg erfahren hat, dass kein einziger Wachmann in Auschwitz Essensmarken oder Urlaub bekam, wenn er nicht nachwies, dass er "Jud Süß" gesehen hat - das ist ein SS-Dekret, das gibt es - und weißt dass Du einen Hammer gemacht hast, mit dem man andere totgeschlagen hat, kannst Du nicht mehr ein Hammermacher sein.

Und da ist für mich langsam der Gedanke gekommen: Ist es denkbar, dass wenn man so reingefallen ist, wie kann man noch Regisseur bleiben? Wenn man einmal so einen Fehler gemacht hat - er hatte doch einen fantastischen Ruf als Kunstschlosser - wie ist denn das denkbar, dass man sich zu seinem Lebensgefühl so stellt? Im besten Fall, ohne anzuklagen: Man hat mit Deiner Hilfe ermordet, verstehst Du?



Harlan über den Vater  


Thomas Harlan bei der Arbeit
Thomas Harlan bei der Arbeit

  Harlan über Hitler


Blick auf den Oberzalzberg
Blick auf den Oberzalzberg

Der Mann war ein ganz großes Ereignis, auch wenn er sprach. Es ist auch, selbst wenn ich es heute höre, schon unerhört. Das kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen, wie der Mann mit schrecklichen Eigenschaften hexerische Kräfte hatte und ausüben konnte auf Millionen Menschen, und sie sammeln konnte.

Das ist etwas sehr seltenes. Eine Diktion, die musikalisch nie falsch war. Die rüttelte immer an der gleichen Eiche, jeder fühlte sich als Stück von dieser Eiche, wenn er an ihr rüttelte. Das war so unerhört, wie er das ballte. Und das habe ich natürlich gespürt, weil ja nie ein Widerwille von mir gekommen ist. Und auch mein väterliches oder mütterliches Haus gar nicht auf die Idee kam, mir irgend etwas auszureden.

Das ist eine solche einmalige Qualitätsleistung eines Verbrechers gewesen, dass ich sehr gut verstehe, dass er aus einem Volk eine Bande gemacht hat. Und natürlich – als Kind gehörte ich zu der Bande dazu. Das ist ja logisch.



► Cast, Crew► Filmplakat► Teaser-Poster► Foto-Galerie

Zeitgleich mit dem Film "Thomas Harlan - Wandersplitter" in der Regie von Christoph Hübner liefen am 30.08.2007 in Deutschland im Kino auch die folgenden Spielfilme an:

Schwarze Schafe
Komödie, Deutschland, 2006

Sakuran - Wilde Kirschblüte
Drama, Japan, 2006

Lizenz zum Heiraten
Liebeskomödie, USA, 2007

Kein Bund fürs Leben - Sie kommen Deutschland zu retten!
Komödie, Deutschland, 2007

Hippie Masala - Für immer in Indien
Dokumentation, Schweiz, 2006

Hallam Foe - This is my Story
Liebesdrama, Schottland, 2007

Die Letzte Legion
Action, USA, England, Frankreich, 2007

28 Weeks Later
Scifi-Thriller, England, 2007

Ebenfalls im Kino 




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