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Water

Kanada, Indien, 2005
Drama, 118 Minuten, FSK: 12

Originaltitel
Water

Kino-Start
07.09.2006

Regie
Deepa Mehta

Darsteller
Lisa Ray (Kalyani), John Abraham (Narayan), Sarala (Chuyia), Seema Biswas (Shakuntala), Kulbhushan Kharbanda (Sadananda), Manorama (Madhumati), Waheeda Rehman (Bhagavati), Raghuvir Yadav (Gulabi), Vinay Pathak (Rabindra), Rishma Malik (Snehalata)
Water - Kinoplakat
Nachdem die in Kanada lebende Inderin Deepa Mehta mit "Bollywood/Hollywood" eine Hommage an den indischen Film abgeliefert hatte, erscheint mit "Water" eine weit ernsthaftere Produktion im Kino. Das Werk klagt unmenschliche indische Traditionen an, die bis heute überlebt haben, und hat bei den Dreharbeiten zu heftigen Protesten geführt.

Indien im Jahre 1938: Das Land steht noch unter der britischen Kolonialherrschaft, doch mit Mahatma Gandhi ist es mitten im Kampf um die Unabhängigkeit. Die Moderne ist weit weg, und im Lande werden uralte Traditionen gepflegt. Chuyia (Sarala) ist acht Jahre alt, wurde bereits verheiratet und ist gerade Witwe geworden.

Der Brauch will es, dass die Frau ihrem Mann entweder in den Tod folgen kann oder fortan allen irdischen Freuden entsagen muss. Ihr Kopf wird kahlgeschoren, der Schmuck weggenommen, und sie wird von ihrem Vater in ein Witwen-Heim gebracht. Wie die anderen Frauen hier auch, soll sie in diesem Ashram ein Leben lang für ihr schlechtes Karma büßen, das den Tod des Gatten verursacht haben soll.

Die Frauen dürfen von sich aus nicht sprechen, bekommen eine Mahlzeit am Tag, schlafen auf dem nackten Boden und sollen ihre Zeit ansonsten mit Beten verbringen. Leiterin des Ashrams ist die 70-jährige Madhumati (Manorama), die zusammen mit ihrem Freund, dem Eunuchen Gulabi (Raghuvir Yadav), ein einträgliches Zusatzgeschäft betreibt: Sie schicken die hübsche Witwe Kalyani (Lisa Ray) als Prostituierte an reiche Männer in Rawalpur.

Daher darf sie ihr Haar wachsen lassen, und wie ihre Mitbewohnerinnen erträgt sie ihr Schicksal gleichmütig. Mit Kalyani freundet sich Chuyia an und spielt mit deren Hund Kaalu, während die erfahrenere Shakuntala (Seema Biswas) sich des Mädchens wie eine Mutter annimmt und ihr die Verhaltensregeln für Witwen beibringt.

Als die lebhafte Chuyia sich eines Tages verläuft, begegnet sie Narayan (John Abraham), der sie und den kleinen Hund zu Kalyani zurückbringt. Obwohl es sich für einen Hindu nicht schickt, mit Witwen auch nur ein Wort zu wechseln, ist der junge Jurist sofort von ihr angetan, und auch Kalyani fühlt sich zu ihm hingezogen. Nach einigen verbotenen Treffen macht Narayan, ein Verehrer Ghandis, ihr einen Antrag: Einem neuen Gesetz zufolge darf eine Witwe nun wieder heiraten.

Madhumati versucht zwar, Kalyanis Hochzeitspläne zu vereiteln, schert ihr die Haare ab und sperrt sie in ihr Zimmer ein, doch Shakuntala verhilft ihr zur Flucht. Narayan will sie gleich seinen Eltern vorstellen, die auf der anderen Seite des Ganges wohnen. Doch als sich das Boot Narayans Elternhaus nähert, erkenn Kalyani eine schreckliche Wahrheit...



Film-Inhalt  


Menschen am Fluss: Chuyia (Sarala) und Kalyani (Lisa Ray) baden Hund Kaalu
Menschen am Fluss: Chuyia (Sarala) und Kalyani (Lisa Ray) baden Hund Kaalu


  Film-Kritik


Wasserträgerin und Nachrichtenübermittlerin: Chuyia und Narayan (John Abraham)
Wasserträgerin und Nachrichtenübermittlerin: Chuyia und Narayan (John Abraham)

Die indisch-kanadische Regisseurin Deepa Mehta hat ein sicheres Gespür für Stil. So fügt sie die leuchtenden und kraftvollen Bilder von Giles Nuttgens und die gefühlvolle Musik von Mychael Danna zu einem poetischen, mit Tragik, Romantik und zugleich einer gewissen Heiterkeit erfüllten Werk, das auf den Betrachter einen intensiven Eindruck macht.

Die Geschichte wird mit einem ruhigen, aber bestimmten Fluss erzählt. Die Beiläufigkeit, mit der die barbarischen Umstände indischer Traditionspflege geschildert werden, führt diese dem Publikum um so deutlicher vor Augen. Dabei beeindruckt die sehr heterogene Schauspielriege: Seien es erfahrene Filmstars wie Ex-Model John Abraham, bislang eher im Action-Genre zuhause, aber durchaus auch als intellektueller Liebhaber überzeugend.

Oder auf der anderen Seite die kindliche Hauptdarstellerin Sarala aus Sri Lanka, die - mangels Sprachkenntnisse in Hindi oder Englisch - ihren Text mit Hilfe von phonetischen Zeichen einstudierte. Und auch Lisa Ray, mit der Mehta bereits in "Bollywood/Hollywood" zusammengearbeitet hatte, weiß in der Rolle der Kalyani zu überzeugen.

So fügt sich Water als letzter Teil in die Trilogie, die mit "Fire" begonnen hatte und mit "Earth" fortgesetzt wurde, nahtlos ein und fesselt den Zuschauer mit cineastischen Qualitäten: Unterhaltsam, informativ, anregend und vor allem schön.



Mit "Water" hat Deepa Mehta ein Tabu der indischen Gesellschaft gebrochen. Sicher ein Grund für das Gerücht, Bal Thackeray, Führer der mächtigen fundamentalistischen Hindu-Gruppe Shiv Sena in Bombay, habe gesagt, er hasse sie am meisten auf der Welt. Schon als ihr Film "Fire" 1998 in den Kinos erscheinen sollte, randalierten dessen Anhänger, zertrümmerten Fensterscheiben und schüchterten die Kinobesitzer ein, sodass der Film nur wenige Zuschauer in Indien auf der Leinwand erreichen konnte. Stein des Anstoßes war damals eine lesbische Beziehung zwischen zwei Frauen - für Shiv Sena ein Ding der Unmöglichkeit.

Und so war es schon absehbar, dass es auch bei "Water" zu Problemen kommen würde. Diesmal gingen die Fanatiker jedoch konsequenter vor und griffen gleich zu Beginn 2000 in die Dreharbeiten ein. Angriffe gegen das Produktionsteam und Morddrohungen gegen Regisseurin und Schauspielerinnen wurden diesmal von einer anderen Hindu-Organisation, der RSS (Rashtriya Swayamsevak Sangh) organisiert, zu der Thackeray auch enge Beziehungen pflegt.

Trotz offiziellem Schutz durch indische Truppen und schwerbewaffnete Sicherheitsleute gingen die Tätlichkeiten weiter, und auf Protestkundgebungen im ganzen Lande wurde Mehtas Bild verbrannt. Nachdem ein Fanatiker versucht hatte, sich aus Verzweiflung im Ganges zu ertränken, stoppten die Behörden die Produktion zur "Wahrung der öffentlichen Sicherheit".

Fast fünf Jahre lag das Projekt auf Eis und wurde schließlich in Sri Lanka unter strengster Geheimhaltung und geändertem Arbeitstitel beendet. Doch auch nach Fertigstellung von "Water" geht der Druck weiter: Mehta erhielt zahlreichen Drohungen, den Film nicht zu veröffentlichen, da er ein falsches Bild der religiösen und sozialen Systeme Indiens zeigen würde.



Hintergrund  


Berichtet von Mahatma Gandhi: Narayan (John Abraham) und seine Mutter
Berichtet von Mahatma Gandhi: Narayan (John Abraham) und seine Mutter

► Cast, Crew► Trailer► Filmplakat► Foto-Galerie

  Ebenfalls im Kino


Zeitgleich mit dem Film "Water" in der Regie von Deepa Mehta liefen am 07.09.2006 in Deutschland im Kino auch die folgenden Spielfilme an:

Snakes on a Plane
Action, USA, 2006

Sehnsucht
Liebes-Drama, Deutschland, 2006

News from Home
Dokumentation, Israel, Belgien, Frankreich, 2006

Le Chiavi di Casa - Die Hausschlüssel
Familiendrama, Italien, Frankreich, Deutschland, 2004

Hedy Lamarr: Secrets of a Hollywood Star
Dokumentation, Kanada, Schweiz, Deutschland, 2006

Friends with Money
Tragikomödie, USA, 2006

Das G muss weg
Dokumentation, Deutschland, 2006

Confetti - Heirate lieber ungewöhnlich
Komödie, England, 2006

Cars
Animation, USA, 2006



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