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Wholetrain

Deutschland, 2006
Drama, 82 Minuten

Originaltitel
Wholetrain

Kino-Start
05.10.2006

Regie
Florian Gaag

Darsteller
Mike Adler (David), Florian Renner (Tino), Elyas M´Barek (Elyas), Jacob Matschenz (Achim), Gerald Alexander Held (Steinbauer)
Wholetrain - Kinoplakat
Durch Schmierereien an öffentlichen Einrichtungen entstehen jährlich Schäden in Millionenhöhe. Täter sind großteils verwahrloste Jugendliche. Regisseur Florian Gaag gehörte selbst lange Zeit der Münchener Graffiti-Szene an. In seinem Spielfilmdebüt erzählt er aus der Gefühls- und Erlebniswelt der Sprüher.

David (Mike Adler), Tino (Florian Renner) und Elyas (Elyas M´Barek) sind die Gruppe "Keep Steel Buring" (KSB): Drei Freunde, die nachts durch die Stadt schleichen und S-Bahnzüge, Telefonzellen und öffentliche Gebäude mit Graffiti verzieren. Ihr Ziel ist Ruhm und Anerkennung in der Szene der sogenannten "Writer".

David ist gerade zu einer Jugendstrafe von sechs Monaten auf Bewährung verurteilt worden. Wegen Sachbeschädigung. Sein Bewährungshelfer bemüht sich, den Writer auf die rechte Bahn zu bringen und möchte ihm ein Studium an der Kunstakademie vermitteln. Doch David kann es nicht lassen. Er lebt weiterhin den Traum jedes Graffitiwriters, zeichnet manisch an Vorlagen für neue Pieces, hilft seinen Kumpels Elyas und Tino im Baumarkt Sprühdosen zu klauen und hinterlässt mit ihnen auf Zugfenstern und Bänken die Tags oder Kürzel ihrer Crew.

Doch eines Tages taucht eine andere Sprayer-Gruppe in der Stadt auf und droht der KSB-Crew den Rang abzulaufen. Dem ATL-Team - so der Name der neuen Gruppe - ist es gelungen, einen Zugwaggon komplett mit Graffiti zu versehen - einen sogenannten "Wholecar".

Das will das KSB-Team nicht auf sich sitzen lassen: Sie planen den ganz großen Cup: Sie wollen einen ganzen Zug - einen "Wholetrain" mit Graffiti besprühen. Und um dises Ziel zu erreichen, gehen sie nicht nur Konflikte mit ihren Familien und Lebenspartnern ein, sie haben auch Sonderfahnder der Polizei auf den Fersen - letztendlich setzen sie sogar ihr Leben aufs Spiel...



Film-Inhalt  


Abhängen: Mike Adler (David), Florian Renner (Tino), Elyas M'barek (Elyas)
Abhängen: Mike Adler (David), Florian Renner (Tino), Elyas M'barek (Elyas)


  Film-Kritik


Elyas M'barek (Elyas), Mike Adler (David), Florian Renner (Tino) bei der
Elyas M'barek (Elyas), Mike Adler (David), Florian Renner (Tino) bei der "Arbeit"

Die ZDF-Koproduktion wurde bereits mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. So gewann "Wholetrain" den Preis als bester Spielfilm auf dem VIBE Urbanworld Film Festival 2006 in New York, den Starter-Filmpreis 2006 der Stadt München und den Preis Bester Film 2006 im "Spectrum junger Film" auf der Cologne Conference.

Die Kölner Juroren urteilten: "Florian Gaags Debütwerk 'Wholetrain' ist handwerklich perfekt ausgearbeitetes Erzählkino der Zwischentöne. Die durchweg überzeugenden Figuren entstehen durch die entschiedene Schauspielführung und die gute Besetzung. Der Regisseur bebildert das Leben einer Gruppe jugendlicher Sprayer und kokettiert dabei auf intelligente Art und Weise mit bestehenden Klischees über die Graffiti-Szene. Das hervorragende Ineinandergreifen von Sounddesign und Schnitt verleiht dem Film einen Rhythmus, der es zulässt, dramatische Momente auch leise zu erzählen."



Christoph Müller, Sven Burgemeister und Silke Bacher produzierten dieses Low-Budget-Projekt der Goldkind Film.

Koproduzent, mit Christian Cloos als verantwortlichem Redakteur, ist das ZDF, Redaktion "Das kleine Fernsehspiel", das bereits 1983 beim Graffiti-Kultfilm "Wild Style" beteiligt war. Der bayrische Film-Fernseh-Fond hat "Wholetrain" mit nahezu 300.000,- Euro unterstützt.

Gedreht wurde mit einem jungen Debütanten-Ensemble vor und hinter der Kamera an 32 Drehtagen, vor über 50 Motiven in München und Warschau.



Hintergrund  


Patrick von Blume (Gruber), Alexander Held (Steinbauer), Florian Renner (Tino)
Patrick von Blume (Gruber), Alexander Held (Steinbauer), Florian Renner (Tino)

  Interview Florian Gaag


Mike Adler (David), Florian Renner (Tino), Alyas M'Barek (Elyas), Jakob Matschenz (Achim)
Mike Adler (David), Florian Renner (Tino), Alyas M'Barek (Elyas), Jakob Matschenz (Achim)

Du hast mit 'Wholetrain' einen der ersten europäischen Kino-Spielfilme gedreht, die sich mit der Graffiti-Kultur auseinandersetzen...

Dass das nicht schon früher geschehen ist, liegt vor allem an einem großen Missverständnis: Graffiti sei angeblich vorbei. Das habe ich oft gehört, als ich Geldgeber und einen Verleih für meinen Film suchte. Tatsache ist, dass die Graffiti-Szene seit Mitte der 80er Jahre beständig gewachsen ist und ihre Aktivisten heute in jedem Winkel der Erde zu finden sind. Die Allgemeinheit sieht die Werke der Sprüher schlichtweg nicht, weil die Kultur in den vergangenen Jahren zunehmend in den Untergrund gedrängt wurde. Bemalte Züge werden sofort gereinigt. Graffitiwriter werden gejagt und von eigens geschaffenen Polizeiabteilungen erfasst. Dabei ist Writing eine gewachsene und gelebte Volkskultur. Ich sehe kein Ende der Begeisterung.

War es schwierig, die richtigen Schauspieler für Dein Kino-Debüt zu finden?

Ich habe ein Jahr lang gecastet, um die richtigen Akteure zu finden. Schauspieler, die natürlich und glaubwürdig sprechen und spielen, und denen man ein Leben als Graffiti-Künstler abnimmt, deswegen habe ich auch viele Streetcastings gemacht und Anzeigen in Writer-Mags geschaltet. Dass Mike Adler, einer der Hauptdarsteller, selbst Erfahrungen als Writer gemacht hat, ist dem Film sehr zu Gute gekommen. Andere Schauspieler haben vor den Dreharbeiten Graffiti-Nachhilfe bekommen.

Du hast selber einst als Graffiti-Sprüher Deine Spuren hinterlassen?

Bevor ich 1994 in die USA ging, um an der Tisch School of The Arts der New York University Film zu studieren, war ich jahrelang mit Sprühdose und Marker in München unterwegs. Unter anderem der Film "Wild Style" hatte mich 1984 dazu gebracht: Rückblickend mag er ein paar Klischees transportieren. Aber er ist allein wegen der beteiligten Künstler und als Zeitdokument legendär. Gleichzeitig hat er dazu beigetragen, Graffiti zur relevantesten und einflussreichsten Jugendkultur aller Zeiten zu befördern. Meine Vorgeschichte hat mir jedenfalls geholfen, „Wholetrain“ aus der Writer-Perspektive zu erzählen.

Wie hat die Writer-Szene auf Deinen Film reagiert?

Durchweg positiv. Ich wurde mit "Wholetrain" zu mehreren Filmfestivals, unter anderem in Deutschland, Italien, Südafrika und New York eingeladen. Zu den Vorstellungen sind natürlich auch viele Writer erschienen, mit denen ich mich intensiv über den Film ausgetauscht habe. Besonders berührt hat mich das gute Feedback der New Yorker HipHop- und Writer-Szene. Als ich HipHop-Legende KRS-One eine Privatvorführung von "Wholetrain" gab, war er so begeistert, dass er sofort versprochen hat, den Film in jeder Hinsicht zu unterstützen.

In "Wholetrain" wird ein ganzer Zug besprüht, obwohl das doch den Strafbestand der Sachbeschädigung erfüllt...

Es war mit das größte Problem, eine Genehmigung für die Dreharbeiten zu finden. Da wir bei einem Low-Budget-Film keinen Bahnhof oder Zug in einem Hollywood-Studio nachbauen konnten, haben wir Jahre lang nach möglichen Partnern gesucht. Die Bundesbahn wollte auf keinen Fall mit uns kooperieren: Aus Angst, der Film könne mögliche Nachahmer animieren, drohten die Verantwortlichen gar damit, sämtliche europäischen Verkehrsbetriebe über unser Vorhaben zu informieren und den Film so zu blockieren. Schließlich haben wir in Warschau eine Drehgenehmigung erhalten. Die dortigen Bahnbehörden waren sehr kooperativ. Manchmal hat ein vollbesetzter Zug gar ein paar Minuten länger am Bahnhof gehalten, bis wir mit den Dreharbeiten fertig waren. In der Szene gilt es als Königs-Disziplin, einen "Wholetrain" oder ganzen Zug zu besprühen.



► Cast, Crew► Trailer► Filmplakat► Foto-Galerie

Zeitgleich mit dem Film "Wholetrain" in der Regie von Florian Gaag liefen am 05.10.2006 in Deutschland im Kino auch die folgenden Spielfilme an:

Thumbsucker
Tragikomödie, USA, 2005

Step Up
Drama, USA, 2006

Lapislazuli - Im Auge des Bären
Abenteuer, Deutschland, Österreich, Luxemburg, 2006

Kiriku und die wilden Tiere
Zeichentrick, Frankreich, 2005

Ich bin die Andere
Drama, Deutschland, 2006

Glück in kleinen Dosen
Tragikomödie, USA, Deutschland, 2005

Deutschland. Ein Sommermärchen
Dokumentation, Deutschland, 2006

Der tierisch verrückte Bauernhof
Familien-Animation, USA, 2006

Black Dahlia
Mystery-Thriller, USA, 2006

Ebenfalls im Kino 




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