Wer ist Daniela? Eine Prostituierte mit großem Herzen, hin und her gerissen zwischen zwei Männern: ihr Kunde, der im Lotto gewonnen hat, und ihr Zuhälter, der zögert, sie zu verkaufen?
Sie ist eine komplizierte Frau, die die Liebe nicht gekannt hat und das Begehren der Männer weckt. Als ich Bertrand Blier getroffen habe, erzählte er mir von der Rolle einer Prostituierten, aber ich stellte mir meine Figur nicht so vor. Ich bin sie anders angegangen.
Wie eine Frau, die fähig ist, sehr viel Liebe zu geben...
Ja, aber sie weiß das nicht. Auch in ihrer Art sich zu kleiden, ist sie nicht nuttig. Als ich das Drehbuch las, fand ich, sie müsse Strumpfhalter tragen und Kaugummi kauen, mit den Brüsten schaukeln – ganz auf Hure machen! Aber überhaupt nicht! Sie ist eine sinnliche, aber sehr klassische Frau, in normalen Röcken und kleinen Pullis, mit Pfennigabsätzen und einem sehr korrekten Mantel, mit dem sie auch in die Messe gehen könnte. Die Figur hat nichts Vulgäres. Das ist stark von Blier. Und sie besitzt viel Ironie, etwa wenn sie sagt: "Ich bin gemacht, um geliebt zu werden." Das ist lustig, oder? Ich glaube, sie ist vor allem gemacht, um begehrt zu werden
Wie kann diese Professionelle, die sich im Prinzip nicht verlieben darf, in der Liebesgeschichte mit ihrem Kunden Francois enden?
Weil es Bernard Campan, der im wirklichen Leben nett anzuschauen ist, gelingt, aus seinem Charakter einen Mann voller Charme zu machen. Je mehr man ihn kennen lernt, desto mehr liebt man ihn. Er ist in der Realität so wie auf der Kinoleinwand. Folglich harmoniert unser Paar sehr gut. Daniela lernt, Francois zu entdecken, der sie liebt wie noch niemals jemand zuvor. Sie gewinnt ihr Schamgefühl zurück und ist berührt. Und selbst am Ende des Films, als sie in die Arme von Francois' bestem Freund fällt - den Edouard Baer spielt - kann sie nicht widerstehen. So ist sie, sinnlich. Die Tatsache, dass sie ihre Vergangenheit wieder findet, vermeidet die Klischees einer netten, aber langweiligen Geschichte. Man ist ja schließlich in einem Film von Blier!
Glauben Sie, sie wird als brave Ehefrau enden, die sich um das Haus und den Liebsten kümmert?
Eine Zeitlang glaubt man das. Man sieht sie ihre Wäsche im Treppenhaus aufhängen? Wie Sophia Loren in "Ein besonderer Tag". Da ist plötzlich ein Hauch Italien, in ihrer Sinnlichkeit, ihrer Zärtlichkeit, den Leuten, die auf der Straße singen...
Blier sieht in Ihnen das italienische Ideal, Grundlage aller Männer-Fantasien. Was denken Sie?
Das kann ich nicht beantworten. Sagen wir, dass ich durch seinen Blick und meine Figur existiert habe. Ich glaube, das ist eine Frau, die stark wird dank ihrer Zartheit, Zerbrechlichkeit.
Diese Geldgeschichte, die sich zu einer Liebesgeschichte wandelt, finden Sie das nicht ein bisschen zweischneidig?
Zweischneidig, natürlich, aber gleichzeitig tun das die meisten Prostituierten für Geld. Das ist in gewisser Weise eine Art, sich vor der Liebe zu schützen. Und als sie der Liebe begegnet, bricht sie zusammen, wie alle Frauen.