Ja, wie der Titel schon sagt, um die Liebe, alle sind in der Pubertät. Wir spielen eigentlich, dass die dreizehn, vierzehn sind, was ja immer nicht ganz mit dem richtigen Alter übereinstimmt, weil ein Mädchen ist ja noch viel jünger, die ist ja grad erst elf, und wir versuchen - und ich glaube, das glückt auch ganz schön - dass jeder so eine Liebesgeschichte hat, und jeder hat eine andere Art von Liebe. Bei Sprotte geht´s drum, dass sie nie vertrauen gelernt hat. Sprotte ist der Überbegriff "Vertrauen", und dadurch, dass sie das nie gelernt hat, dadurch, dass sie ohne einen Vater aufgewachsen ist, ist sie eifersüchtig, weil sie nicht vertraut. Die Mutter von Sprotte, die Sybille, hat ja das gleiche Problem, was aber auch schon von der Großmutter kommt. Die Großmutter ist offenbar auch verlassen worden, die hat ja ein Hochzeitskleid im Keller, was nie aufgeklärt wird von Cornelia Funke.
Also da erzählen wir drei Generationen von Menschen, die nicht vertrauen können. Dann erzählen wir von Melanie, die damit fertigwerden muss, verlassen zu werden. Dann erzählen wir von Trude, die immer irgendwie auf wen reinfällt, der ein bisschen exotisch ist. Dann erzählen wir von Frieda, die eine Brieffreundschaft, eine Fernbeziehung führen muss. Dann - Wilma, ach Wilma: Das ist ja mit am interessantesten. Wilma verliebt sich in ein Mädchen. Und das heißt, wir müssen erzählen, wie ist denn das plötzlich, wenn Du in der Pubertät merkst, dass Du homosexuell bist. Wie gehst Du damit um, wie gehen die anderen damit um, wie gehen Deine Eltern damit um.
Ich hab so ein Problem mit dem deutschen Begriff von Ernst und Unterhaltung, und ich habe das Gefühl, dass Shakespeare sein Stück geschrieben hat, um die Leute zum Lachen zu bringen, das ist ja auch eine richtige Komödie, und ich hab dann versucht, eine Inszenierung mit den Kindern zu machen, die so richtig - hab ich das Gefühl - Shakespeare gemäß ist. Also, wo die sich raufen, wo die sich anschreien, wo es um Eifersucht und Liebe geht, und die Kinder waren total begeistert, weil das Stück ihnen ja sehr nahe lag.
Und eigentlich hatte ich immer das Gefühl, das gefällt ihnen; sie möchten diese Texte sprechen. Wir haben extra eine alte Überseztung genommen - von Schlegel-Tieck - und die hatten das Gefühl, es hat was mit ihnen zu tun, sie haben sich gern verkleidet, sie haben mich immer angebettelt: "Dürfen wir nicht den Text auch noch lernen", weil das haben wir viel kürzer eigentlich zuerst gedacht, und das war eine große Freude. Natürlich ist es schwerer, mit so einem Text, den man eigentlich erstmal nicht versteht, versuchen zu inszenieren, dass man, auch wenn man die Worte nicht versteht, versteht was in der Szene vorkommt. Also das war total schön und hat uns allen tierisch Spaß gemacht.