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Yes I am!

Deutschland, 2006
Dokumentation, 104 Minuten, FSK: 0

Originaltitel
Yes I am!

Kino-Start
15.02.2007

Regie
Sven Halfar

Darsteller
Daniel Kretschmer, Mamadee Wappler, Xavier Naidoo, Adé Odukoya, Bantu
Yes I am! - Kinoplakat
Diese Doku portraitiert drei junge Menschen, die Verschiedenes gemeinsam haben: Zum einen machen sie Musik, zum anderen haben Sie Wurzeln in Afrika, und alle drei haben das Erwachsenwerden ohne ihre Väter durchmachen müssen.

Nachdem der Vater von Adé Odukoya in Nigeria ermordet wurde, war der 15-jährige mit seiner deutschen Mutter, seinen beiden Brüdern und der Schwester nach Deutschland gezogen. Bis auf kurze Ferienreisen war ihm dieses Land fremd. Daniel Kretschmer hingegen ist zwar in Deutschland geboren, doch er wuchs ohne Vater auf, einen US-GI, der vor seiner Geburt wegen Drogenhandels ausgewiesen wurde. Er stritt sich mit seiner Mutter, schmiss die Schule und kam in ein Heim. Mamadee Wappler schließlich hat ihren Vater auch nicht gekannt, einen Gaststudenten aus Sierra Leone, der nach Afrika zurückgeschickt wurde. Sie kommt aus der Nähe von Zwickau und hat den Zusammenbruch der DDR mit 10 Jahren als Thälmannpionier erfahren.

Alle drei haben mit Hilfe der Musik die Verluste und die Versäumnisse ihrer Jugend zu verarbeiten versucht. Als nach der Wende offene Angriffe mit rassistischem Hintergrund in Ostdeutschland um sich greifen, schließen sie sich mit Kollegen zusammen, um über Wege gegen diese Entwicklung zu beraten. Den Ausschlag, ihre Vorstellungen in die Tat umzusetzen, gibt einer in einer Reihe von Vorfällen, bei denen ein Mensch zu Tode kommt: Im Jahr 2000 wird in Dessau der aus Mosambik stammende Deutsche Alberto Adriano von drei jugendlichen Neonazis ermordet. Diese Tat ist der Anlass, die "Brothers Keepers" zu gründen. Mit diesem Projekt, in dem sich gut zwanzig afrodeutschen Musiker zusammengeschlossen haben, um mit Musik und Gesprächen in ostdeutschen Schulen gegen Rassismus vorzugehen.

Zu Ehren des Ermordeten spielten sie die Maxi "Adriano - Letzte Warnung" ein und nahmen das Album "Lightkultur" auf. Der Filmemacher Sven Halfar zeigt die drei, ebenso wie ihren Kollegen Xavier Naidoo, bei ihren Arbeiten zum Projekt Brothers Keepers, bei Veranstaltungen, Konzerten und Diskussionsrunden in Schulen. Ebenso wird ihr privater und familiärer Hintergrund beleuchtet, die Probleme ihrer Mütter, andersfarbige Kinder großzuziehen und die Schwierigkeiten der Protagonisten in einer Gesellschaft, in der es immer noch Berührungsängste und Aggressionen gegen Menschen gibt, die anders sind als "normale" Leute.



Film-Inhalt  


Blumen für Alberto Adriano
Blumen für Alberto Adriano


  Hintergrund


D-Flame auf dem Schulhof
D-Flame auf dem Schulhof

Brothers Keepers e. V. ist ein eingetragener Verein, der am 4. Februar 2001 in Köln gegründet wurde. Mitglieder sind meist afrodeutsche Musiker aus den Bereichen Hip Hop, Reggae und Soul. Sie setzen sich zum Ziel, eine Lobby für die Opfer rassistisch motivierter Gewalt zu bilden.

Neben der Veröffentlichung eigener Musik organisieren sie vielfältige Veranstaltungen zur Aufklärung und Prävention gegenüber Rassismus und der daraus resultierenden Gewalt. Dazu gehören Unterstützung der Opfer, Informationskampagnen, Diskussionsrunden in Schulen, die Teilnahme an Foren und Medienarbeit.

Bekannt wurden die Brothers Keepers durch die Veröffentlichung ihres Albums "Lightkultur", eine Anspielung an den Begriff "Leitkultur", der im Jahr 2000 eine lebhafte politische Diskussion ausgelöst hatte. Das weibliche Pendant sind die "Sisters Keepers", die ebenfalls an "Lightkultur" beteiligt waren und die Single "Liebe und Verstand" herausgebracht haben.



Alberto Adriano war in Mosambique geboren und lebte zwanzig Jahre lang in Deutschland. In Dessau arbeitete er als Schlachter, war zehn Jahre mit einer Deutschen verheiratet und hat mit ihr drei Söhne. Am 10. Juni 2000 verfolgte er bei Freunden ein Spiel zur Fußball-Europameisterschaft und machte sich am späten Abend auf den Weg zu seiner unweit gelegenen Wohnung. Dieser führte ihn durch den Stadtpark, wo sich drei junge Männer aufhielten.

Die 16-jährigen Schulabgänger Frank M. und Christian R. aus Wolfen sowie der 24-jährige arbeitslose Bäcker Enrico H. aus Bad Liebenwerda hatten sich erst kurz zuvor am Dessauer Bahnhof kennengelernt, wo sie ihre Züge verpasst hatten. Von dort zogen sie alkoholisiert und randalierend durch die Dessauer Innenstadt bis zum Park. Um 1:45 Uhr begegneten sie Adriano, pöbelten ihn an, schlugen anschließend auf ihn ein und traten ihn am Boden liegend auch noch, als er schon bewusstlos war. Dann entkleideten sie ihn und raubten ihm seine Armbanduhr und Bargeld.

Anwohner riefen die Polizei, die der Täter noch in der gleichen Nacht habhaft werden konnte. Das Opfer erlitt schwere äußere und innere Verletzungen und starb drei Tage später im Krankenhaus. Aufgrund der Gefährdung der inneren Sicherheit übernahm Generalbundesanwalt Kay Nehm die Anklage. Die Verhandlung vor dem Oberlandesgericht Naumburg fand gegen den Protest der Witwe unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, zum Schutz der zwei minderjährigen Täter. Das Urteil wurde am 30. August 2000 gesprochen: der 24-jährige Hauptangeklagte wurde zu lebenslänglicher Freiheitsstrafe verurteilt, die beiden Mittäter erhielten jeweils neun Jahre Haft.



Der Fall Adriano  


Adé und sein Sohn
Adé und sein Sohn
► Cast, Crew► Trailer► Filmplakat► Foto-Galerie

  Ebenfalls im Kino


Zeitgleich mit dem Film "Yes I am!" in der Regie von Sven Halfar liefen am 15.02.2007 in Deutschland im Kino auch die folgenden Spielfilme an:

Hannibal Rising - Wie alles begann
Horror-Thriller, USA, England, Frankreich, Litauen, Tschechien, 2007

Die Hollywood-Verschwörung
Romantik-Drama, USA, Kanada, 2006

Der Gute Hirte
Drama, USA, 2006

Babooska
Dokumentation, Italien, Österreich, 2005



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