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Zaïna - Königin der Pferde

Frankreich, Marokko, 2004
Abenteuer-Drama, 100 Minuten, FSK: 6

Originaltitel
Zaïna, cavalière de l´Atlas

Kino-Start
19.10.2006

Regie
Bourlem Guerdjou

Darsteller
Aziza Nadir (Zaïna), Sami Bouajila (Mustapha), Simon Abkarian (Omar), Michel Favory (Abdellatif), Assaad Bouab (Kadour), Lounès Tazairt (Barak), Hassam Ghancy (Djilhali), Taieb Ajedig (Moncef), Mohamed Bouhriri (Hassan), Mohamed Majd (Imam)
Zaïna - Königin der Pferde - Kinoplakat
Bereits für sein Regiedebüt "Leben im Paradies" (Vivre au paradis) wurde Bourlem Guerdjou, Sohn algerischer Einwanderer nach Frankreich, beim Filmfestival Venedig mit dem Goldenen Löwen für das Beste Erstlingswerk ausgezeichnet. Auch sein zweiter Spielfilm, das prachtvolle, orientalische Märchen "Zaina, Königin der Pferde", fand breiten Anklang und erhielt beim Internationalen Filmfestival Locarno 2005 den Publikumspreis. Zudem befand ihn die Filmbewertungsstelle Wiesbaden (FBW) als "besonders wertvoll".

Alle vier Jahre findet in Marrakesch ein großes Ereignis statt: Das große Pferderennen in den Gärten von Agdal zieht Männer aus einem weiten Umfeld an, die eigene und die Stärke ihrer Pferde zu messen. Frauen ist eine Teilnahme im traditionsbehafteten Marokko nicht erlaubt, doch Selma ließ sich davon nicht beirren, verkleidete sich als Mann und gewann den Wettbewerb. Doch die Stammessitten sind hart, und so wird Selma von ihrem Mann Mustapha verstoßen.

Was der nicht weiß: Sie ist schwanger und bringt ihre Tochter Zaïna ganz allein zur Welt. Dank ihrer Kenntnisse von Pflanzen und Kräutern kann sie sich und ihre Tochter als Heilerin über Wasser halten. Dann kommt sie im Haus des reichen Omar (Simon Abkarian) unter. Der begehrt Selma zwar, doch sie weist ihn immer wieder zurück. Doch der bedrängt die Frau immer wieder, und dabei kommt es zu einem tragischen Unfall: Selma fällt so unglücklich, dass sie stirbt.

Zaina (Aziza Nadir) ist gerade zwölf Jahre alt, und Omar will, dass wenigstens sie ihm erhalten bliebe. Doch dann erscheint ihr Vater Mustapha (Sami Bouajila), der erst jetzt vom Tod Selmas und von der gemeinsamen Tochter erfahren hatte. Bei der ersten Begegnung ist Zaina von dem bärtigen Nomaden eingeschüchtert, doch dessen Hengst Zingal gewinnt sogleich ihr Herz. Mustapha unterwegs zum Agdal-Rennen, um Pferde dorthin zu überführen, und er nimmt das Mädchen auf die Reise mit, entgegen den entschiedenen Widerstand Omars.

Die beiden schließen sich den anderen Nomaden an, die auf Mustapha gewartet hatten. Während des beschwerlichen Ritts lernen sich die zunächst misstrauischen Männer und das Mädchen langsam kennen, so der gütige alte Barak (Lounès Tazairt), der sich um Zaina wie um die eigene Enkelin kümmert, der geschickte Reiter Kadour (Assaad Bouab), der stets zu Scherzen aufgelegte Moncef (Taieb Ajedig) und der gewitzte Djihali (Hassam Ghancy). Während die letzteren im Verlauf der Reise mit den Pferden immer wieder trainierten, hielt sich Mustapha daraus - er hatte sich nach dem Rennen, bei der seine Frau ihn in seinen Augen entehrt hatte, geschworen, nie an einem Pferdeturnier teilzunehmen.

Da wird die Karawane plötzlich angegriffen: Es ist Omar mit seinen Männern. Doch es gelingt ihnen zunächst, die Attacke abzuwehren und dabei Abdellatif (Michel Favory) in ihre Gewalt zu bringen. Der Plan, ihn als Geisel mitzunehmen und dessen Neffen Omar vor einem weiteren Überfall abzuhalten, erweist sich allerdings als folgenschwer: Er wiegelt die übrigen Männer gegen Mustapha auf. Sie werfen ihn in eine Felsspalte und verschwinden mit den Pferden - bis auf Zingal, denn der hört nur auf seinen Besitzer.

Zaina konnte sich verbergen und zieht Mustapha am Seil mit Zingals Hilfe aus der Spalte heraus. Zusammen mit Abdellatif machen sie sich wieder auf die Reise. Während der Weg sie durch immer unwirtlicheres Gebirge führt, lernen sich Mustapha und Zaina immer besser kennen und verstehen. Doch sie werden immer noch von Omar verfolgt, und in Marrakesch angekommen, kommt es zum Duell der beiden Männer um Zaina, doch die will, dass das Pferderennen entscheiden soll...



Film-Inhalt  


Ein Herz und eine Seele: Zaïna (Aziza Nadir) Hengst Zingal
Ein Herz und eine Seele: Zaïna (Aziza Nadir) Hengst Zingal


  Interview mit Regisseur Bourlem Guerdjou


Ist gar nicht so schrecklich: Nomade Mustapha (Sami Bouajila)
Ist gar nicht so schrecklich: Nomade Mustapha (Sami Bouajila)

Zu welchem Genre gehört "Zaina"?

"Zaina" ist ein Märchen, in dessen Mittelpunkt ein Kind, ein Mann und der Orient stehen. Unsere Drehbuchautorin Juliette Sales hat sich von den Erzählungen aus 1001 Nacht und den sagenhaften Berichten über die legendäre letzten Berberkönigin Kahena inspirieren lassen. "Zaina" ist aber auch ein Abenteuerfilm, der das Verhältnis zwischen den Generationen und die Suche nach eigener Identität thematisiert. Ein Bericht über eine Reise in die Tiefen der Seele. Der Film kreist um Menschen, die von starken Gefühlen angetrieben werden und es kam mir darauf an, ihre inneren Gefühlswelten auszuloten.

Wer sind Zaïna und Mustapha?

Das traurige Mädchen und der Nomade aus den Bergen scheinen zunächst nichts miteinander gemein zu haben. Mustapha versteht nichts von Kindern, weiß nicht, was Vatersein bedeutet. Er behandelt seine Pferde besser als seine Tochter. Juliette Sales hat beim Schreiben des Drehbuchs manchmal an die Situation von Kindern in der heutigen Zeit gedacht, die sich verloren und verlassen fühlen, weil ihnen ein Elternteil fehlt oder weil sie schlicht im Stich gelassen wurden. Zaïna verkörpert jene arabischen Frauen, die den Mut haben, aufzubegehren, um etwas an den Zuständen zu ändern. Mustapha besitzt nichts ... abgesehen von seiner Liebe und seiner Vertrautheit mit arabischen Vollblütern. Das ist das einzige Vermächtnis, das er seiner Tochter hinterlassen kann.

Obwohl der Film realistisch in einer Zeitebene gedreht ist, thematisiert die Geschichte ständig Gegenwart und Vergangenheit.

Mustapha und Zaïna sind zwei verlorene, gebrochene Figuren, denen die Vergangenheit wichtige Teile ihres Selbst geraubt hat. Auch Omars Position ist durch die Vergangenheit geprägt: Weil er seine Schuld an Selmas Tod an Zaïna wieder gut machen will, wird er für sie zur Bedrohung und zur tragischen Figur. Dieses Trio wäre undenkbar ohne den Bezug zu einer vierten Figur, die im Film zwar nie zu sehen ist, aber immer gegenwärtig ist: Zaïnas Mutter Selma, eine Amazone, die die ehernen Gesetze der Männerwelt angriff.

Sie legen sich in Hinblick auf die Zeit, in der "Zaina" spielt, nicht fest.

Ähnlich wie bei „Vivre au paradis“ (1999), der von algerischen Einwanderern im Frankreich der 1960er Jahre handelt, wollte ich "Zaina" nicht allzu genau zeitlich verankern. Diese Geschichte findet in der Gegenwart ein Echo. Die Themen – Vatersein, Liebe, Rivalität – sind zeitlos gültig.

Welchen Stellenwert hat die maghrebinische Kultur?

Zaïnas Annäherung an den Vater führt zwangsläufig über die Traditionen, die mit der traditionellen Pferdehaltung in dieser Region verbunden sind. Dabei entdeckt sie ihre Vergangenheit und findet zu ihren Wurzeln zurück.

Die Beziehung zwischen Zaïna und ihrem Vater ist anfänglich sehr angespannt.

Zaïna muss sich gegen ihren Vater behaupten und gleichzeitig seine Bestätigung suchen. Sie wagt sich zum ersten Mal auf den Rücken eines Pferdes, lernt reiten und gewinnt am Ende sogar das große Rennen. Mustapha gelingt es, ihr seine Leidenschaft für Pferde zu vermitteln. So finden sie einen Weg zueinander, lernen miteinander zu sprechen. Der Araberhengst Zingal wird zum Mittler zwischen Vater und Tochter. Er ist das Bindeglied zwischen ihnen. Pferde sind das einzige, wovon Mustapha etwas versteht und das einzige, worüber er mit seiner Tochter spricht.

Die Vermittlung von Wissen ist von zentraler Bedeutung in "Zaina"...

Die Weitergabe von Wissen ist die Grundlage jeder Erziehung. Bevor Zaïna etwas über Pferde lernt, hat sie von ihrer Muter Selma bereits deren Kräuter- und Heilbuch bekommen. Dass Zaïna, im Gegensatz zu Mustapha, Dank ihrer Mutter lesen kann, ist übrigens eine kleine feministische Fußnote.

Ist "Zaina" ein feministischer Film?

In einer archaischen und patriarchalisch strukturierten Welt, in der die Macht allein in den Händen der Männer liegt entdeckt Zaïna unter den Blicken ihres Vaters ihre eigene Weiblichkeit.. Zaïnas Mutter Selma war eine zu selbstbewusste, zu leidenschaftliche und zu starke Frau für ihre Zeit und Umgebung. Indem sie es aber riskierte, mit Männern in Wettstreit zu treten, selbst auf die Gefahr hin, deswegen verstoßen zu werden, schlug sie eine Bresche. Nur dank Selma wird es Zaïna möglich, das Rennen zu reiten, zu gewinnen und von ihrem Stamm gefeiert zu werden.

Welche Rolle spielt die Natur?

Sie spielt neben Zaïna, Mustapha, Omar (und Selma) die fünfte Hauptrolle. Landschaft ist allgegenwärtig – das Gebirge, die unermesslichen Weiten der Wüste. Sie hat viele Gesichter: Mal spröde und steinig, dann wieder lieblich und fast lauschig. Die Natur ist eine Größe, mit der man rechnen muss.

Die Filmmusik ist eine spannungsreiche Mischung zwischen epischen Klängen und folkloristisch inspirierten Melodien...

Der Filmkomponist Cyril Morin (u.a. „Samsara“, 2002, Regie: Pan Nalin) kombinierte auf einzigartige Weise traditionelle Elemente wie Berbergesänge oder arabische Laute mit symphonischen Elementen. Eine wichtige Rolle spielt dabei auch die Gnaoua-Musik, eine jahrhundertealte südmarokkanische Musik-Kultur, deren Rhythmen und Texte von afrikanischen Sklaven stammen, die vor 300 Jahren von der Goldküste nach Marokko verschleppt wurden.

An wen richtet sich der Film?

Der Film fordert ein junges Publikum auf, über den Weg eines Märchens und die Traditionen der maghrebinischen Kultur universelle Werte zu entdecken. Die wichtigste Frage des Films ist: Woher komme ich? "Zaina" verfügt über zeitlos menschliche Bezüge und fordert zum Akzeptieren der eigenen Identität auf.



Was hat Sie an diesem Projekt besonders gereizt?

Bouajila: Ich fand es verlockend, in die Haut eines Nomaden zu schlüpfen, dessen Leben sich ausschließlich um Pferde dreht. Außerdem war das Drehbuch gut geschrieben und die Figuren vielschichtiger als gewöhnliche Kinohelden. Und dann: Drehorte im Atlasgebirge! Das Ganze war ein äußerst verführerisches Abenteuer, und ich ahnte, dass es auch persönlich für mich eine Bereicherung werden würde.

Abkarian: Mir erging es ähnlich, wobei mich der Umstand, dass es sich um einen Abenteuerfilm inmitten einer grandiosen Landschaft handelte, besonders interessierte, weil es Regisseur und Kameramann darum ging, touristische Klischees zu vermeiden. Und ich freute mich darauf, zu reiten und in der Wüste zu kämpfen!

Was hat Sie an der Geschichte besonders angesprochen?

Abkarian: Das Märchenhafte, das an die Phantasie der Zuschauer apelliert. Hier braucht man keine allzu realistischen Gewaltdarstellungen und andere künstliche Effekte. Außerdem ergreift der Film weder für den einen noch den anderen Protagonisten Partei. Märchen öffnen uns einen Zugang zu uns selbst und heben uns in den Rang von Menschen in ihrer umfassenden Würde.

Bouajila: Für mich war "Zaina" eine Rückkehr zu meiner Kultur, die ich fast schon ein wenig vergessen hatte. Meine Eltern stammen direkt aus dieser kulturellen Tradition, mein Vater war Berber, hat in der Wüste und in Zelten gelebt. Der Film bot mir Gelegenheit, auf symbolische Weise den Spuren meines Vaters zu folgen.

Privat haben Sie sich während der Dreharbeiten angefreundet, in "Zaina" sind Sie erbitterte Feinde...

Boujila: Mustapha und Omar sind aus demselben Holz geschnitzt. Ich stelle mir vor, dass sie gemeinsam aufgewachsen sind, mit derselben Liebe zu Pferden, aber eben auch mit der Leidenschaft für dieselbe Frau: Selma – Zaïnas Mutter.

Abkarian: Mustapha ist Omars Rivale, aber er bringt Dinge ans Licht. Er sorgt dafür, dass Omar zeigen muss, wer er wirklich ist – sich selbst aber auch allen anderen. In einer Auseinandersetzung zwischen Rivalen gibt es immer beides: Hass und Verlangen. Omar und Mustapha sind beide auf ihre Art aufrichtig. Sie haben ihr Wort gegeben und das kann nicht mehr zurückgenommen werden. Wenn man davon ausgeht, ist alles möglich, selbst zwischen Feinden. "Zaina" ist sowohl eine Tragödie als auch eine Liebesgeschichte und eine Erzählung über Unmögliches. Man könnte sich leicht vorstellen, dass die Geschichte in der strengen islamischen Gesellschaft des 18. Jahrhunderts angesiedelt ist. Ich glaube, dass man das Verlangen nach Freiheit umso deutlicher zum Ausdruck bringen kann, je besser der Käfig gezeichnet ist. Das macht den Film so spannend: er zeigt die Hindernisse, um von dort aus Freiheitsräume zu erforschen.

Beschreiben Sie das Mädchen Zaïna, dem die Liebe Ihrer Figuren gilt ...

Bouajila: Zaïna schließt den Kreis, den Mustapha durchbrochen hatte, als er ihre Mutter verstieß.. Der Film zeichnet einen Wandlungsprozess. Dabei geht es um existentielle Themen: Liebe, Vaterschaft, Kindheit, Leben und Tod. Zaïna gibt Mustaphas Schicksal eine Wende. Er findet zu neuer Gelassenheit und innerem Frieden, in dem er einen Schlussstrich unter seine Feindschaft mit Omar zieht.

Abkarian: Zaïna ist nicht nur Gegenstand eines Streits, sondern eine eigenständige Person, die ihren Standpunkt vertritt. Sie entscheidet über ihre eigenes Schicksal, wodurch es den beiden Rivalen möglich wird, ihren Konflikt zu beenden und ihre Wahrheit zu finden.

Wie war die Zusammenarbeit der drei Hauptdarsteller?

Bouajila: Zwischen Aziza Nadir, der Darstellerin der Zaïna, und mir gab es schnell so etwas wie eine familiäre Vertrautheit. Das verstärkte die Glaubwürdigkeit unserer Beziehung im Film. Aziza stand zum ersten Mal vor der Kamera und hat uns immer genau beobachtet. Sie ist wirklich ein großes Talent. Sie hat sich voll und ganz ihrer Rolle gewidmet und – was das Beste ist – ihr ganzes Herz hineingelegt.

Abkarian: Sami geht seiner Arbeit mit großem Ernst nach und aufgrund seiner tunesischen Abstammung ist er sich der Verantwortung bei der Wahl seiner Rollen im französischen Kino wohl bewusst. Für mich war es ein Vergnügen, mit ihm zu arbeiten. Bei unseren Figuren handelt es sich ja um Männer aus der Wüste, Menschen, die der Erde und den Elementen verbunden sind und daher sparsam mit Gebärden und Worten umgehen. Sie tun das, was sie sagen, und sie sind das, was sie tun. Man musste sich mit seinem Partner blindlings verstehen, vor allem dann, wenn in manchen Szenen eine Aufwallung von Gefühlen einfach nur durch Schweigen und Blicke ausgedrückt werden sollte. Zwischen Sami und mir gab es viele konstruktive Gespräche. Durch den Film ist eine große Verbundenheit zwischen uns entstanden. Wir werden alles dafür tun, um bei weiteren Filmen wieder gemeinsam zu arbeiten.



Interview mit Sami Bouajila und Simon Abkarian  


Erbitterter Rivale: Omar (Simon Abkarian) mit seinem Schimmel
Erbitterter Rivale: Omar (Simon Abkarian) mit seinem Schimmel
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  Ebenfalls im Kino


Zeitgleich mit dem Film "Zaïna - Königin der Pferde" in der Regie von Bourlem Guerdjou liefen am 19.10.2006 in Deutschland im Kino auch die folgenden Spielfilme an:

Wie Luft zum Atmen
Musik-Dokumentation, Deutschland, Georgien, 2005

Sommer ´04
Drama, Deutschland, 2006

Shortbus
Drama, USA, 2006

Nacho Libre
Komödie, USA, 2006

Jede Sekunde zählt - The Guardian
Action, USA, 2006

DOA: Dead or Alive
Action-Abenteuer, Deutschland, England, China, 2006



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